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Jahresprogramm 2013

Jahresprogramm 2013 des Kunstmuseums St.Gallen

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9. Februar – 21. Juli 2013
in der Lokremise

Anthony McCall
Two Double Works

Tritt man in den verdunkelten Raum, sieht man durch einen Nebelschleier, wie sich an der Wand aus einem Punkt ein Kreis bildet. Das Licht des Filmprojektors erschafft im Raum die Form eines Kegels, gewissermassen eine Skulptur auf Zeit: Line Describing a Cone (1973) ist ein Schlüsselwerk der Kunstgeschichte. Sein Autor, der Künstler Anthony McCall, zählt gleichermassen zu den Pionieren der zeitgenössischen Skulptur wie des Expanded Cinema der 1970er Jahre.

1946 in London geboren, trat er zuerst im Umfeld des Experimentalfilms auf und realisierte Performances mit elementaren Materialien wie Feuer oder Wasser. Bereits früh waren seine Filme in Ausstellungen wie der documenta 6 (1977) zu sehen, bevor er sich für über zwanzig Jahre aus dem Kunstbetrieb zurückzog. In den 1990er Jahren wurde sein epochemachendes Schaffen wiederentdeckt und in zahlreichen Ausstellungen weltweit präsentiert, so u.a. 2005 im Museum für moderne Kunst Frankfurt, 2007 in der Serpentine Gallery London, 2009 im Moderna Museet Stockholm oder im Centre Pompidou Metz und 2012 im Hamburger Bahnhof, Berlin.

Die Ausstellung in der Lokremise, für die der heute in New York lebende Künstler eigens eine raumgreifende Lichtarbeit realisiert, ist seine erste Einzelpräsentation überhaupt in einem Schweizer Museum.

Kurator: Konrad Bitterli

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16. März – 18. August 2013
im Kunstmuseum

Dan Flavin
Lights

Der US­amerikanische Künstler Dan Flavin (1933–1996) hat seit den frühen 1960er­Jahren mit handelsüblichen Leuchtstoffröhren in genormten Dimensionen und Farben ein unverwechselbares Œuvre geschaffen. Die radikale Entscheidung für ein alltägliches Industrieprodukt verbindet sich mit einem präzise kalkulierten Einsatz der Mittel und einer starken sinnlichen Ausstrahlung. Die Ausstellung Dan Flavin – Lights zeigt erstmals in der Schweiz Flavins Lichtarbeiten in einem repräsentativen Überblick. Mit rund dreissig Arbeiten verdeutlicht sie die Entwicklung vom bild- zum lichtbezogenen Werk anhand ausgewählter Icons (1961–1964) und spannt den Bogen über zentrale Einzelarbeiten aus fluoreszierenden Röhren bis hin zu den späten raumgreifenden Werken. Mit der Wahl der Röhren als Werkmotiv und -material signalisiert Flavin die Annäherung der Kunst an die Alltags- und Konsumwelt. Ihre Präsentation folgt den Prinzipien minimalistischer Nüchternheit, während sie gleichzeitig farbige Lichträume von unvergleichlicher sinnlicher Qualität entstehen lassen.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem MUMOK, dem Museum für moderne Kunst in Wien.

Kurator: Roland Wäspe

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6. April – 23. Juni 2013
im Kunstmuseum

Filipa César
Single Shot Films

Filipa Césars (*1975, Porto) filmische Recherche führt entlang historischer Ereignisse in Portugal Mitte der 1970er­Jahre: das Ende der Salazar­Diktatur und die damit verbundene Entkolonialisierung. Packend verwebt die Künstlerin überlieferte Geschichte mit subjektiven Erzählungen von Protagonisten, die, marginalisiert von der offiziellen und überlieferten Geschichtsschreibung, Ideologien neu beleuchten. In ihren filmischen Essays thematisiert sie das kollektive Gedächtnis, den politischen wie gesellschaftlichen Hintergrund ihres Heimatlandes und dessen koloniale Vergangenheit.

The Embassy (2011) führt Filipa César in die westafrikanische Kolonie Guinea­Bissau. Der Journalist Armando Loma blättert in einem Fotoalbum, auf das César in einem verwahrlosten Staatsarchiv gestossen ist, und lässt die koloniale Vergangen­ heit auf den vorgefundenen Aufnahmen lebendig werden. Filipa Césars Schaffen wurde in den vergangenen Jahren inter­ national breit wahrgenommen, so 2010 an der Manifesta 8 in Cartagena und der Biennale São Paulo, 2012 war sie mit Einzelausstellungen im MUDAM, Luxemburg und im Pariser Jeu de Paume vertreten.

Die Ausstellung in St.Gallen ist ihre erste Einzelpräsentation in einem Schweizer Museum.

Kuratorin: Nadia Veronese

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6. Juli – 27. Oktober 2013
im Kunstmuseum

Home! Sweet Home!
Vom (un)heimeligen Zuhause in der Kunst

Wer hat nicht schon so wundervoll­kitschige Stickereien gesehen mit liebevoll dargestellten Häuschen und dem obligaten Sinnspruch Home! Sweet Home!? Kaum jemandem dürfte indes bewusst sein, dass die vielzitierte Zeile einer Oper entstammt, nämlich Clari, Maid of Milan des Bühnenautors John Howard Payne (1791–1851), welche 1823 im Londoner Covent Garden Premiere feierte. Wie keine andere Liedzeile fand diese Eingang in die Umgangssprache und bezeichnet ebendieses traute Heim, dass, wohin man auch verreise und wie bescheiden es im Vergleich zu Palästen auch sei, es keinen Ort wie das eigene Zuhause gebe.

Die Ausstellung Home! Sweet Home! befragt unsere Vorstellung vom trauten Heim, der Idylle im Kreise der Familie anhand signifikanter Werke aus verschiedenen Epochen. Den historischen Auftakt setzen erstrangige Altmeistergemälde und ­graphiken mit Darstellungen von Bauern­ und Bürger­ szenerien, die das feucht­fröhliche, zuweilen amouröse Treiben feiern, während die Gegenwartskunst traditionelle Vorstellungen vom Daheim radikal neu bestimmt, wie zum Beispiel in den beklemmenden Videoarbeiten der israeli­ schen Künstlerin Keren Cytter (*1977) oder Jan Anülls (*1948) Notschlafstelle: ‹there is no place like home› .

Kuratoren: Konrad Bitterli, Matthias Wohlgemuth

 

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17. August – 10. November 2013
in der Lokremise

Nenn mich nicht Stadt!

Altötting, Hamburg, Berlin, New York, São Paulo… Nenn mich nicht Stadt! Der Titel der thematischen Ausstellung, einem grossformatigen Gemälde des in Berlin lebenden Künstlers Franz Ackermann (*1962) entliehen, mag Ausdruck sein für die Sehnsucht nach einer andern Welt jenseits der überbordenden Signaletik urbaner Metropolen, der ausufernden Megacities, des Unterwegs­Seins zwischen politischen und ökonomischen Zentren, der Erfahrungen von Rast­ und Ortlosigkeit in einer globalen Welt. Vielleicht ist Nenn mich nicht Stadt! auch Bekenntnis zur metropolitanen Wucherung, ein sachliches Registrieren des Existierenden, eine Phantasie zum Spektakel grenzenloser Urbanität? Oder ein Essay zum Fremdsein im grossstädtischen Umfeld?

Die Ausstellung findet bewusst in der Lokremise statt, einem Brennpunkt der Stadtentwicklung mitten in St.Gallen. Dennoch will die Ausstellung inhaltliche Fragestellungen nicht illustrieren, sondern künstlerisch Position beziehen zu aktuellen Diskursen. Im Zentrum stehen Werke, die im räumlichen Dialog miteinander um Themen wie Urbanismus und deren existentielle Dimensionen kreisen: Nenn mich nicht Stadt! – ein visueller Diskurs zur Stadt von heute.

Kurator: Konrad Bitterli

 

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7. September 2013 – 26. Januar 2014
im Kunstmuseum

Mona Hatoum

Der eigene Körper als Projektionsfläche für politische wie soziale Themen bildet den Ausgangspunkt für das künstlerische Schaffen von Mona Hatoum. 1952 im Libanon geboren und seit 1975 in London lebend, hat sie die Erfahrung des Exils und des Fremdseins gleichsam am eigenen Leib erfahren und in den 1980er Jahren in radikale Performances übersetzt. Seit den 1990er Jahren realisiert sie Skulpturen und Installationen, in denen der abwesende Körper als Metapher für Bedrohung und Verletzlichkeit steht. Klare und strenge Formen kontrastieren mit fragilen Materialien, Objekte des Alltags täuschen Behaglichkeit vor, enthüllen aber latent Gefahr. Die von der Künstlerin provozierte Ambivalenz verweist auf Orientierungsverlust an Vertrautem und Fassbarem. In ihren Skulpturen erweitert sie die formalen Möglichkeiten der Minimal Art um die entscheidende Dimension des Politischen und Existentiellen.

Mona Hatoum, als Tochter palästinensischer Eltern in Beirut geboren und heute zwischen London und Berlin pendelnd, gilt als eine der herausragenden Bildhauerinnen der Gegenwart. 2004 wurde ihr der renommierte Roswitha­Haftmann­Preis, 2011 der Joan­Miró­Preis verliehen. Die Präsentation
im Kunstmuseum St.Gallen ist ihre erste Einzelausstellung in einem Schweizer Museum.

Kuratoren: Konrad Bitterli, Nadia Veronese

 

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15. November 2013 – 16. Februar 2014
im Kunstmuseum

Francisco Sierra
MANOR-Kunstpreis St.Gallen 2013

Wie zeitgenössische figurative Malerei aussehen könnte, auf diese Frage hat Francisco Sierra gleich mehrfache Antworten. 1977 in Santiago de Chile geboren, emigrierte er 1986 mit seiner Familie in die Schweiz. Parallel zu einem Studium der Musik brachte er sich das Malen autodidaktisch bei. Seine fotorealistische Malerei von stupender Perfektion irritiert dabei ebenso sehr wie die gewählten Motive, die selten das sind, was sie darzustellen scheinen. Seine Malerei ist doppelbödig und von charmanter Ironie durchwoben.

So wie Francisco Sierra die Fallgruben der zeitgenössischen fotografischen Abbildung und die transformierenden Möglichkeiten der Malerei interessieren, so elegant reflektiert er surrealistische und konzeptuelle Bildvorstellungen, die immer wieder auf die Alltäglichkeit der gesehenen Dinge zurückfallen.

Der von der Firma Maus Frères SA, Genf gestiftete MANOR­Kunstpreis wird seit 1982 in mehreren Schweizer Städten vergeben und ist die umfassendste private Förderung junger Kunstschaffender hierzulande. Francisco Sierra ist der zwölfte St.Galler Preisträger.

Kurator: Roland Wäspe

 

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