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12. November 2011 – 18. März 2012
im Kunstmuseum
Walter Burger
und Künstlerfreunde
Im Zentrum der Ausstellung Walter Burger und Künstlerfreunde steht eine eindrückliche Reihe von Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen, die Maria Burger, die Witwe des Künstlers, 2011 dem Kunstmuseum St.Gallen geschenkt hat. Diese grossartige Werkgruppe vermag das Schaffen von Walter Burger (Emmen LU 1923–2010 Berg SG) umfassend darzustellen, sofern man den grossen Block der unverrückbaren Kunst-am-Bau-Aufträge ausklammert, durch die der Künstler in der Ostschweiz vielfach präsent ist. Die Ausstellung wird den Bogen spannen von den frühen Ölgemälden, die sich an der analytischen Sicht seines Basler Lehrers Hans Stocker orientieren, über die Studien zu den Skulpturen der 1960er und 1970er Jahre und die zugehörigen Plastiken aus geschmiedetem Eisen und emaillierten Farbtafeln bis hin zu den filigranen Drahtskulpturen der letzten Jahre. Die leuchtenden Aquarelle auf historischen Papieren aus alten Kontobüchern stehen den beiläufigen Skizzen auf Briefkuverts gegenüber, die in inspirierter Zweitverwendung das zugesandte Verbrauchsmaterial nutzen.
Erweitert wird die Ausstellung durch intime Werke anderer Künstler aus der Sammlung von Maria und Walter Burger. Von den gewichtigen Schweizer Eisenplastikern werden Werke von Robert Müller (Zürich 1920–2003 Villiers-le-Bel bei Paris), Josef Maria Odermatt (1934 Stans 2011) und Bernhard Luginbühl (Bern 1929–2011 Langnau) gezeigt. Ebenso sind Zeichnungen und Plastiken von Franz Eggenschwiler (Solothurn 1930–2000 Bern) zu sehen, den eine lebenslange Freundschaft mit Walter Burger verband.
Kurator: Roland Wäspe
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19. Januar – 5. Februar 2012
in der Lokremise
Tatsuo Miyajima
Three Time Train | Counter Voice on the Wall
Zeit und Raum sind wesentliche Themen des international gefeierten japanischen Künstlers Tatsuo Miyajima. In unterschiedlichen Tempi zählen farbig leuchtende LED-Anzeigen unablässig von 1 bis 9. Das Zählen ist für den Künstler Sinnbild für fortdauerndes Leben und damit existentielle Chiffre. Der 1957 in Tokyo geborene und heute in Ibaraki lebende Tatsuo Miyajima hat seine raumgreifende, eigens für die Lokremise konzipierte Installation mit monumentaler, dreigleisiger Modelleisenbahn Three Time Train betitelt. Auf jedem Wagon ist eine LED-Leuchte angebracht, die während der Fahrt von 1 bis 9 durchnummeriert, um das Vergehen der Zeit zu visualisieren, während die Züge zugleich still ihre Kreise ziehen. Zudem wird der Raum mit der Soundinstallation Counter Voice on the Wall subtil beschallt, für die der Künstler die St.Galler Bevölkerung zu Workshops einlud. Ausgehend von Three Time Train entwickelt die Tanzkompanie des Theaters St.Gallen unter Leitung von Marco Santi das Tanzstück Codex, das sich dem Thema «Zahl» widmet und in Miyajimas Installation sowie an andern Orten der Lokremise zur Aufführung gelangt.
Kuratoren: Konrad Bitterli, Roland Wäspe
Choreographie: Marco Santi
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11. Februar – 13. Mai 2012
im Kunstmuseum
Silvia Bächli
far apart – close together
Silvia Bächli gilt als die bedeutendste Zeichnerin ihrer Generation in der Schweiz. Das belegen nicht zuletzt Ausstellungen in wichtigen Museen wie dem Genfer Musée d’art moderne et contemporain, dem Pariser Centre Pompidou oder dem Museu Serralves in Porto.
Seit den späten 1970er Jahren hat sie ihr zeichnerisches Schaffen gleichermassen behutsam wie konsequent entwickelt. Der expressive Zugriff auf Körperlichkeit wich bald einer beinahe introspektiv zu nennenden Sicht auf die Wirklichkeit. Die alltägliche Wahrnehmung bildet den Ausgangspunkt für einen künstlerischen Prozess, in dessen Verlauf sich die Dinge zunehmend von sich selbst entfremden und autonome zeichnerische Form erlangen.
Die kleinformatigen Zeichnungen fügte Sie seit 1984 zu mehrteiligen Kompositionen auf der Wand zusammen. Seit den 1990er Jahren entstanden zudem raumgreifende Tischinstallationen und zuletzt auch grossformatige Papierarbeiten mit feingliedrigen Lineamenten oder floralen Motiven. far apart – close together: Die Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen wird die unterschiedlichen Präsentationsformen systematisch darstellen und in einer Ausstellung sichtbar machen. Dabei offenbart sich Silvia Bächlis zeichnerisches Schaffen als durchaus «installativ», eröffnet sich doch gerade in der räumlichen Setzung ein profunder Einblick in ihren einzigartigen zeichnerischen Kosmos.
Kurator: Konrad Bitterli
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25. Februar – 12. August 2012
in der Lokremise
Menschenzellen | Human Capsules
Acht Künstlerinnen aus der Sammlung Ursula Hauser
Menschenzellen: Der Begriff verweist auf den Körper wie auf den umgebenden Raum, sei dies die Intimität des privaten Zimmers oder der Schutz eines Hauses. Gerade dieses Gefangensein im eigenen Körper bzw. in der Welt offenbart sich als existentielle Dimension im Schaffen zahlreicher Künstlerinnen der jüngeren Vergangenheit. War der Blick auf den weiblichen Körper seit jeher ein männlicher, war ihr Lebensraum fremdbestimmt, so haben sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts Künstlerinnen von ihren männlichen Kollegen emanzipiert und eigene Bildvorstellungen entworfen. Um diesen Schlüsselmoment der Verselbständigung kreist die Ausstellung mit Werken herausragender Künstlerinnen aus der umfangreichen Kollektion der Ostschweizer Sammlerin Ursula Hauser.
Im Zentrum stehen erstrangige Werkgruppen von Louise Bourgeois und Maria Lassnig, um die herum sich erlesene Arbeiten von sechs weiteren Künstlerinnen aus der Sammlung gruppieren: Phyllida Barlow Berlinde de Bruyckere, Rachel Khedoori, Carol Rama, Loredana Sperini und Alina Szapocznikow.
Human Capsules vereint acht signifikante Positionen, die zum Teil zu Unrecht in Vergessenheit geraten oder, wie etwa Loredana Sperini, erst noch zu entdecken
sind. Gleichzeitig spiegelt die Präsentation mit ihrer Konzentration auf das Schaffen von Künstlerinnen eines von Ursula Hausers zentralen Sammelinteressen.
Kurator: Konrad Bitterli
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31. März – 24. Juni 2012
im Kunstmuseum
Nadim Vardag
Nadim Vardag beschäftigt sich in seinen Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen ebenso mit der wissenschaftlichen Fotografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie mit dem klassischen Kinofilm. In sehr kurzen Loops lässt er Szenen alter Filme sich wiederholen und schafft dazu Installationen, die seine zeichnerischen Analysen in einen dreidimensionalen Raum stellen. Dem Künstler gelingt es, einen Spannungsbogen aufzubauen, der die Funktionsweisen von Foto und Film anschaulich werden lässt: Er beleuchtet sowohl unsere Wahrnehmung wie das Wesen des Mediums selbst. Doch geht es nie um eine gängige Analyse der Erzählstruktur des Films, sondern um die Möglichkeiten einer Regie des Affektes und die Bandbreite seiner psychologischen Wirkung. Nadim Vardag löst die Bilder dabei aus ihrem angestammten Handlungszusammenhang und schafft poetische Bilder in neuen minimalen Settings, die unmittelbar gefangen nehmen.
Nadim Vardag, geboren 1980 in Regensburg, studierte an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 2009 erhielt er den BC & Belvedere Contemporary Art Award mit einer zughörigen Ausstellung im Augarten des Wiener Belvedere. Nach zahlreichen Beteiligungen an internationalen Gruppenausstellungen
ist die St.Galler Präsentation seine erste Einzelausstellung in einem Schweizer Museum.
Kurator: Roland Wäspe
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2. Juni – 25. November 2012
im Kunstmuseum
Pipilotti Rist
Blutbetriebene Kameras und quellende Räume
Mit bunten Bildwelten und wild-wuchernden Installationen hat Pipilotti Rist die Welt der Kunst erobert. Geboren 1962 in Grabs SG, gilt sie als wegweisende Figur der zeitgenössischen Videokunst. 1994 fand im Kunstmuseum St.Gallen ihre erste Museumsausstellung statt, weitere folgten in bedeutenden Häusern weltweit: 1994 im Kunstverein Hamburg, 1998 im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, 2001 im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, 2007 im Magasin 3, Konsthall Stockholm und 2008 im Museum of Modern Art, New York.
Seit jeher beschäftigt sich die Künstlerin mit der visuellen und auditiven Beschreibung des Gefühls, welches Bilder und Töne ergeben, «wenn du berührt wirst oder wenn du jemanden berührst» (Rist). Die malerische Behandlung und die raumgreifende Inszenierung ihrer Videos sind ebenso charakteristisch für ihre unverwechselbare künstlerische Sprache wie spektakuläre Kamerafahrten und sich überschlagende Bilder, die zusammen mit Verfremdungen und assoziativen Montagen in traumartigen Sequenzen und einem alles umfassenden Bilderstrom münden.
Die retrospektiv angelegte Ausstellung Blutbetriebene Kameras und quellende Räume, entstanden in Kooperation mit der Londoner Hayward Gallery und der Kunsthalle Mannheim, ist seit Jahren Pipilotti Rists erste umfassende Einzelpräsentation in der Schweiz – und zugleich eine vorübergehende Heimkehr der Künstlerin.
Kurator: Konrad Bitterli
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7. Juli – 28. Oktober 2012
im Kunstmuseum
Over the Rainbow
Über Glückseligkeit der Kunst
«Somewhere over the rainbow…» lautet der Refrain des berühmten Lieds aus den 1930er Jahren. Besungen wird ein märchenhafter Ort, wie er nur in einem Schlaflied existieren kann, wo der Himmel blau sei und Träume wahr würden.
Das 1884 entstandene Gemälde Mutterglück von Konrad Grob (1828 – 1909) zeigt eine junge Frau mit einem Säugling in den Armen, neben einem plätschernden Brunnen auf einer blühenden Wiese sitzend, während ein zweites Kind sie liebevoll umarmt: ein Bild familiärer Glückseligkeit. Die Kunst des 19. Jahrhunderts ist voller Darstellungen solcher froher Momente und idyllischer Szenerien. In ihrer Zeit hochgeschätzt, muten die Darstellungen einer heilen Welt aus heutiger Perspektive geradezu verklärt und weltfremd an. Und in der Tat handelt es sich bei den beliebten Gemälden von Martin Drolling (1752 – 1817), Konrad Grob, Johann Jakob Nüesch (1845 – 1895) oder Gottlieb Emil Rittmeyer (1820 – 1904) –seine legendäre Stubete auf der Alp Sol (1865) könnte man als Programmbild der Epoche bezeichnen – im Grunde um bildgewordene Weltfluchten aus der trüben Realität des 19. Jahrhunderts angesichts anbrechender Industrialisierung und Verstädterung. Doch nicht nur das 19. Jahrhundert besang die Glückseligkeit. Die Ausstellung Over the Rainbow sucht nicht zuletzt auch nach aktuellen Momenten der Glückseligkeit in der Gegenwartskunst.
Kuratoren: Konrad Bitterli, Nadia Veronese
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8. September – 11.November 2012
in der Lokremise
Koenraad Dedobbeleer
Boredom won’t starve as long as I feed it (Langeweile wird nicht verhungern, solange ich sie füttere): Intrigant bespielte der 1975 im belgischen Halle geborene Künstler Koenraad Dedobbeleer das vom Architekten Mies van der Rohe entworfene Haus Esters in Krefeld mit künstlerischen Interventionen. Skulptur, Architektur, Fotografie und Alltagsgegenstände bildeten dabei ein vertracktes Beziehungssystem. Ein überdimensioniertes Röhrengebilde transformierte er zu eigentümlichen Deckenskulpturen – oder handelte es sich nicht doch um den Wasserabfluss der darüberliegenden Terrasse? Zweifel am So-Sein der Dinge sind in Dedobbeleers Werk angelegt. Seine plastischen Arbeiten beziehen sich auf die Traditionen der heroischen Moderne, setzen die kunsthistorischen Überlieferungen aber zugleich in Bezug zu den Gegebenheiten der Gegenwart. Seine eigenwillig-sperrigen Verschiebungen und ironischen Transformationen des Alltäglichen sind charakteristisch für die Vielschichtigkeit zeitgenössischer Skulptur und bilden ein verqueres Netzwerk aus, in dem stets alles mit allem in Verbindung treten kann. Koenraad Dedobbeleer, dessen Schaffen erstmals in einer Einzelausstellung in der Schweiz zu sehen sein wird, entwickelt als «Artist in Residence» ein Projekt eigens für die Kunstzone der Lokremise.
Kurator: Konrad Bitterli
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