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30. Januar – 20. Juni 2010

PRESS ART
Werke aus der Sammlung Annette und Peter Nobel

Das aus der Ostschweiz stammende Sammlerpaar Annette und Peter Nobel hat in über zwanzig Jahren eine eindrückliche Sammlung mit Schwerpunkt auf den gedruckten Massenmedien zusammengetragen. ‹PRESS ART›, die Wechselwirkung zwischen geschriebenem Wort und bildender Kunst ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr aus dem künstlerischen Diskurs wegzudenken. Vorab künstlerische Bewegungen mit gesellschaftsutopischen, sozialen oder politischen Hintergründen – etwa Dadaismus oder Konstruktivismus, die Aufbruchsbewegungen seit den 1960er Jahren oder der medienreflexive Zeitgeist der 1990er Jahrespiegeln Sinn und Zweck der Presse und demonstrieren, wie Eindeutigkeit in Mehrdeutigkeit, wie Wahrhaftigkeit in Ironie, wie Ernsthaftigkeit ins Spielerische kippt – und vice versa. Bild und Sprache als Ordnungssysteme werden befragt, Gedrucktes wird reflektiert und als Basis für Visuelles genutzt. Dieser zeitgeschichtliche Spannungsbogen bildet sich in der Privatsammlung ab und spiegelt dabei nicht nur Kunstgeschichte, sondern liefert entscheidende Stichworte für den Umgang mit Massenmedien.
Die von Christoph Doswald zusammengestellte Werkauswahl aus der Sammlung von Annette und Peter Nobel wird anschliessend im Museum der Moderne in Salzburg präsentiert.

Kuratoren: Christoph Doswald, Konrad Bitterli

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13. Februar – 16. Mai 2010

Damien Deroubaix
Die Nacht

In monumentalen Malereien, raumgreifenden Skulpturen und wandfüllenden Zeichnungsinstallationen inszeniert der französische Künstler Damien Deroubaix die postmoderne Wiederauferstehung des spätmittelalterlichen Totentanzes. In seinem Schaffen trifft der makabere Reigen unverstellt und ungeschönt auf die formal verknappende Trash-Ästhetik von Undergroundcartoons, auf Versatzstücke der Death-Metal-Kultur sowie auf die allumfassende Propagandamaschinerie der Gegenwart. Sein intelligenter Rückgriff auf kunsthistorische Traditionen verbindet sich mit zeichnerischen Strategien der Gegenwart zu Bildtableaux von ungeheurer visueller Kraft. Dabei rezykliert der Künstler die vollends mediatisierten Bildwelten von heute und übersetzt die gesellschaftlichen, politischen und existentiellen Abgründe in tragikomische Schau-Stücke.
Der 1972 in Lille geborene und heute in Berlin lebende Damien Deroubaix gilt als einer der aufsehenerregendsten Künstler seiner Generation in Frankreich. ‹Die Nacht› lautet der Titel seiner ersten umfassenden Präsentation im deutschsprachigen Raum mit begleitender Publikation und wurde in Kooperation mit dem Saarlandmuseum in Saarbrücken und der Villa Merkel in Esslingen eigens für das Kunstmuseum St.Gallen erarbeitet.

Kurator: Konrad Bitterli

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5. Juni – 12. September 2010

Ambigu
Zeitgenössische Malerei zwischen Abstraktion und Narration

Ambigu (franz.) bedeutet so viel wie ‹unentschieden, zweideutig›. Für eindeutige künstlerische Positionen indes stand die Malerei des 20. Jahrhunderts. Geprägt vom grundlegenden Gegensatz zwischen figurativen und abstrakten Bildtraditionen wurde letztere zum Markenzeichen der Moderne, führte indes auch zum viel zitierten Ende der Malerei. Die Postmoderne beendete die Vorstellungen künstlerischer Avantgarden und öffnete mit ihrem ‹anything goes› das Feld malerischer Möglichkeiten. Die Revision der Moderne fand ihren Ausdruck im Rückgriff auf historische Bildsprachen, manifestierte sich aber auch in hybriden, zweideutigen künstlerischen Haltungen, wie sie für die zeitgenössische Malerei im Werk von Raoul De Keyser und Mary Heilmann exemplarisch sind. Darin verbinden sich unterschiedliche Traditionen, abstrakte Bildformen werden durch narrative Referenzen aufgeladen. Oft missverstanden wurden die beiden Kunstschaffenden zu eigentlichen Impulsgebern für die zeitgenössische Malerei. ‹Ambigu› konfrontiert Werkgruppen von Raoul De Keyser und Mary Heilmann mit Arbeiten junger Künstler,
die sich eigenständig auf die Vorbilder beziehen. Damit führt das Kunstmuseum St.Gallen seine Tradition thematischer Ausstellungen fort, die zeitgenössische Malerei unter wechselnden Perspektiven reflektiert – und zugleich deren Sinnlichkeit zelebriert.

Kurator: Konrad Bitterli

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3. Juli – 31. Oktober 2010

Next Generation
Einblicke in junge Ostschweizer Privatsammlungen

Das Sammeln bildender Kunst hat in St.Gallen eine reiche Tradition, die sich im Bereich der klassischen Moderne in der Sammlung des Kunstmuseums mit den Schenkungen von Erna und Curt Burgauer, Annette Bühler, Franz Larese und Jürg Janett oder Heinrich Emanuel Schmid verbindet. Das private Sammeln bildet die eigentliche Basis für die Tätigkeit des Kunstvereins St.Gallen, und dank grosszügiger privater Schenkungen konnte die Sammlung des Kunstmuseums in den vergangenen Jahren substantiell ausgebaut werden. Die reichen Bestände von Ostschweizer Sammlerinnen und Sammlern, die sich oft ein Leben lang leidenschaftlich der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet haben, bildeten die Basis zahlreicher Ausstellungen im Kunstmuseum St.Gallen.
In ‹Next Generation – Einblicke in junge Ostschweizer Privatsammlungen› öffnet sich das Kunstmuseum einer jungen Generation von Sammlerinnen und Sammlern. Die Ausstellung ermöglicht einen ersten Einblick in ihre mit grosser Neugierde, mit viel Engagement, Umsicht und Sachkenntnis zusammengetragenen Kollektionen, deren Spektrum von regionaler zu internationaler Kunst, von etablierten zu noch weitgehend unbekannten und ungesicherten Positionen reicht. Bei aller Ausrichtung auf eine meist jüngere Künstlergeneration unterstreicht ‹Next Generation› zugleich die Kontinuität des privaten Kunstengagements und die wahre Leidenschaft des Sammelns.

Kurator: Konrad Bitterli

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25. September 2010 – 16. Januar 2011

Karin Sander
Gebrauchsbilder und andere

Patina- oder Gebrauchsbilder nennt Karin Sander eine Werkgruppe, die seit 1990 entsteht. Dabei kehrt sie in listiger Weise den künstlerischen Prozess um. Indem die Werke im Grunde durch die Sammler entstehen, hinterfragt sie die Art und Weise, wie Kunst üblicherweise produziert, verkauft und aufbewahrt wird: ‹Die Gebrauchsbilder entstehen an dem Ort, an dem sie hängen. Die grundierten Bildträger werden ohne vorherige Manipulation an einen ausgesuchten Ort transportiert und verbleiben dort ungeschützt für einen zu bestimmenden Zeitraum. Sie sammeln die spezifische Patina ihres Ortes und bilden diesen ab.› (Karin Sander)
Im Zentrum des Schaffens der 1957 in Bensberg (D) geborenen Künstlerin stehen die Beziehungen zwischen Kunst, Sammlern und Museen. 1996 realisierte sie im Kunstmuseum St.Gallen ihre erste Einzelausstellung in einem Schweizer Museum.
Der Kontakt zur inzwischen weltweit bekannten Künstlerin ist nie abgebrochen. In einer gemeinsamen Aktion haben Vorstandsmitglieder des Kunstvereins St.Gallen 2004 eine Serie vorfabrizierter Leinwände erworben und diese im eigenen Heim, in Garagen, in Tomatenhäuschen oder Hundehütten platziert. Die Ausstellung bringt diese Bilder erstmals im Museum zusammen und präsentiert sie im Kontext der schweizweit einzigartigen Werkgruppe von Karin Sander im Kunstmuseum St.Gallen.

Kuratoren: Konrad Bitterli, Roland Wäspe

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2. Oktober 2010 – 16. Januar 2011

Marc Bauer
Totstell-Reflexe

Die Zeichnung ist das zentrale Ausdrucksmittel von Marc Bauer. 1975 in Genf geboren, ist der heute in Berlin lebende Künstler in zahlreichen Gruppenausstellungen mit inhaltlich zusammengehörenden Serien dichter Bleistiftzeichnungen bekannt geworden. Diese umfassen ebenso das Kleinformat wie die Umsetzung seiner Motive in wandfüllende Dimensionen.
Seine Zeichnungen bestechen durch eine seltene Eindringlichkeit des Strichs und der Haltung sowie eine Unmittelbarkeit jenseits eines traditionell expressiven Gestus. Und sie eröffnen ungewohnte Blicke auf Geschichte wie auf den Alltag, wenn
er wie beispielsweise in ‹Swiss Room› (2000) das Familienalbum seines Grossvaters ins zeichnerische Medium übersetzt. Zudem versteht es der Künstler, seine Zeichnungen souverän in einen räumlichen Zusammenhang zu bringen, wie seine konzisen Präsentationen in den vergangenen Jahren, u.a. 2009 im FRAC Auvergne, eindrücklich belegen.
Marc Bauer, der sich neben der Zeichnung auch des Mediums Video für seine inhaltlichen Annäherungen an die ‹condition humaine› bedient, wird erstmals in einer umfassenden Einzelausstellung in der Deutschschweiz zu sehen sein.

Kurator: Roland Wäspe

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13. November 2010 – 23. Januar 2011

Alexandra Maurer
MANOR-Kunstpreis St.Gallen 2010

Sie wirken auf den ersten Blick farbig, fröhlich und wild-bewegt und nennen sich ‹la chute›, ‹muro›, ‹escape› oder ‹jump›. Als ‹peinture animée› bezeichnet die 1978 in St.Gallen geborene Künstlerin Alexandra Maurer ihre meist kurzen expressiven Videosequenzen. Dabei handelt es sich nicht um rein filmische Arbeiten, sondern um eine Überblendung unterschiedlichster künstlerischer Techniken, vom Video über Malerei bis zur computergestützten Animation, die in einen räumlichen Zusammenhang übersetzt und als Installation präsentiert werden. Alexandra Maurers Schaffen bewegt sich buchstäblich zwischen den Medien: Kamera wie Malerei spielen mit den endlosen Verführungen erotischer Signale ein künstlerisches Striptease, ohne dass die verlockenden Bildsequenzen sich in der Katharsis einer klassischen Narration erfüllen würden. Ihre sinnlichen Verführungen weiss die Künstlerin mit präzisen formalen Eingriffen in verstörende Bildsequenzen zu übersetzen, die nicht zuletzt vom existentiellen Gefangen-Sein berichten.
Der von der Firma Maus Frères SA gestiftete MANOR-Kunstpreis wird seit 1982 in mehreren Schweizer Städten vergeben. Nach Alex Hanimann, Pipilotti Rist, Christoph Büchel, Lutz/Guggisberg, Caro Niederer, Christian Vetter u. a. ist Alexandra Maurer die elfte St.Galler Preisträgerin.

Kurator: Konrad Bitterli

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