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Erweiterter Skulpturbegriff


Keith Sonnier (*1941)
In Between II, 1969
Glas, Latex, Kabel, Glühlampen, Zeitschalter
232,5 x 175 x 15 cm
Erworben von der Marie Müller-Guarnieri-Stiftung, 1994

 

Keith Sonnier gilt zusammen mit Bruce Nauman, Richard Serra, Bill Bollinger oder Barry Le Va als einer der Pioniere der sogenannten Postminimal Art. Seine frühen Erkundungen unterschiedlichster Werkstoffe wie Filz oder Latex und von deren inhärenten Materialeigenschaften führten zu den Neonskulpturen, mit denen er ab 1968 international Anerkennung fand. Diese bestechen vor allem durch den Reiz des farbigen Lichtes, dem bei Sonnier stets auch eine «erotische» Qualität eigen ist.

 


Richard Serra (*1939)
Lead Piece, 1968
Bleispiralen, Eisennägel, 123 x 234 x 135,5 cm
Kunstmuseum St.Gallen ehemals Sammlung Rolf Ricke

 


Roman Signer (*1938)
Aktion mit einer Zündschnur Appenzell-St.Gallen, 1989
Tische, Zündschnurrollen
Dimension variabel
Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur

 

Ebenfalls wesentlich von der prozesshaft angelegten Kunst der späten sechziger Jahre beeinflusst ist das Schaffen des Ostschweizer Künstlers Roman Signer. Sein Œuvre ist im Kunstmuseum St.Gallen gültig dokumentiert, angefangen von den frühen Arbeiten wie dem nur in Form von Skizzen oder Modellphotos vorhandenen «Warschauer Projekt» (1971) bis zur berühmten «Aktion mit einer Zündschnur» (1989), die als raumgreifendes Objekt die Sammlung bereichert. Vom 11. September bis zum 15. Oktober 1989 liess der Künstler über zwanzig Kilometer entlang der Bahngeleise eine Zündschnur von seinem Geburtsort Appenzell an seinen Wohnort St.Gallen abbrennen. Nicht nur Raum und Zeit wurden dabei durchmessen, das Werk lässt sich auch als ein Weg-Gehen im konkreten wie metaphorischen Sinne verstehen – eingebettet in eine Landschaft, die sich dem Betrachter im Werk nur mehr gedanklich erschliesst.

 


Foyer im Obergeschoss mit Mario Merz (1925-2003)
Tutto è connesso, 1988
Metallstruktur mit Glas, Steinplatten und Neon
Schenkung Heinrich E. Schmid
Im Hintergrund „Corner Pentagon“, 1988, von Richard Serrra (*1939)

 

«Tutto è connesso» (Alles ist verbunden), lautet der Titel von Mario Merz’ (1925-2003) eindrücklichem Iglu, das der Meister der italienischen Arte Povera im Foyer des Kunstmuseums realisierte. Der Künstler blendet zurück in die Ursprünge der Menschheit, indem er sich auf die archaische Form eines Iglus, bezieht. Im Bestreben die Urgeschichte mit der Gegenwart zu verbinden, bedient er sich neuartiger Werkstoffe, vor allem des Neon-Lichts. Die zwischen den Steinplatten aufleuchtende Zahlenreihe – 1 (+) 1 (=) 2 (1+2=) 3 (2+3) 5 (3+5) 8 usw. – gründet auf dem italienischen Mathematiker Fibonacci und deutet eine Bewegung an, die sich von einem anfänglichen langsamen Fortschreiten bis zum rasanten Tempo der Gegenwart beschleunigt. Zudem kontrastiert der Künstler, der mit einer erstrangigen Werkgruppe in der Sammlung vertreten ist, den historischen Prunk der Museumsarchitektur mit einer «armen» Materialität, die in ihrer schlichten Präsenz und Archaik grundlegende gesellschaftliche wie existentielle Fragen thematisiert.

Im Umfeld eines erweiterten Skulpturbegriffs bewegen sich auch Kunstschaffende wie Erwin Wurm (*1954), Christoph Rütimann (*1955), Matthew McCaslin (*1957), Karin Sander (*1957), Sylvie Fleury (*1961) oder Christoph Büchel (*1966), die mit zum Teil umfangreichen Werkgruppen in der Sammlung vertreten sind.

 


Matthew McCaslin (*1957)
Cyclone, 1991
Unterputzdeckenleuchte aus Metall, lackiert, Trafo, Kabel,
2 Leuchtstoffröhren, 8 amerikanische Doppelsteckdosen
ca. 134 x 130 x 120 cm
Kunstmuseum St.Gallen ehemals Sammlung Rolf Ricke

 

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