Neue Medien
Neben
der Fotografie, deren Entwicklung seit den siebziger Jahren
mit Werkgruppen von Manon (*1946), Urs Lüthi (*1947),
Hannah Villiger (1951-1997) oder Beat Streuli (*1957) dargestellt
wird, galten die Erwerbungen der letzten Jahre auch dem neuen
Bildmedium Video. Dessen zentrale Positionen sind von der Pionier-
generation - Nam June Paik (*1932), Silvie und Chérif Defraoui (*1935
/ 1932-1994) - bis zur Gegenwart mit Arbeiten in der Sammlung vertreten: Pipilotti
Rist (*1962), Teresa Hubbard / Alexander Birchler (*1965/*1962) und Shahryar
Nashat (*1975).
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Nam June Paik (*1932)
Beuys/Voice – A Hole in the Hat, 1987/90
Videoinstallation, Dimension variabel
Schenkung Heinrich E. Schmid, 1997 |
Der
ausgebildete Musiker Nam June Paik, der in den sechziger
Jahren in Deutschland im Umfeld der Fluxus-Bewegung und der
Düsseldorfer
Szene um Joseph Beuys hervorgetreten war, gilt allgemein
als Grossvater der Videokunst. Dank einer grosszügigen Schenkung
von Heinrich E. Schmid kann die St.Galler Sammlung als einziges
Museum in der Schweiz eine bedeutende Installation von Paik
permanent der Öffentlichkeit zugänglich machen: «Beuys-Voice – A
Hole in the Hat», 1987 für die documenta 8 entstanden,
ist eine künstlerische Hommage an seinen Weggefährten,
den im Jahr zuvor verstorbenen Joseph Beuys. Gezeigt werden
in staccatoartigen Schnitten kurze Bildfolgen aus einer gemeinsamen
Performance, einzelne Insignien des Künstlers wie der
brennende Hut, gegengeschnitten mit computergenerierten Sequenzen,
wie sie nicht nur für die Entwicklung der Videokunst,
sondern auch für die nachfolgende MTV- und Musikvideogeneration
vorbildhaft werden sollten.
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Pipilotti Rist (*1962)
Der T.V.-Lüster, 1993
Videoobjekt, 150 x 100 x 160 cm
Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur |
Zur
jüngeren Generation von Videokünstlerinnen zählt
die St.Gallerin Pipilotti Rist, deren Schaffen inzwischen
weltweit gefeiert wird. Nicht nur hatte sie im Kunstmuseum
St.Gallen
ihre erste Museumsausstellung, die Sammlung beherbergt auch
zahlreiche Werke der Künstlerin: frühe Einkanalvideoarbeiten
sowie raumgreifende Installationen. Im Foyer des Museums
permanent installiert ist der «T.V.-Lüster» (1993),
ein Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das
einzigartige Videoobjekt besteht aus sechs Monitoren, auf
denen die Augen
der Künstlerin im Polkatakt kreisen. Im raffiniert angelegten
Werk verbinden sich zwei Grundthemen der Videokunst – die Überwachungskamera
und der Bildschirm als magische Lampe – und verströmen
dabei in spielerischer Weise ein Glücksgefühl,
das einem auf dem Rundgang durchs Museum bestimmt nachhaltig
begleiten
wird.
Zur
jüngsten Generation von Videokünstlern zählt
die Südafrikanerin Candice Breitz (*1972), die in den
vergangenen Jahren mit Ausstellungen international grosse
Beachtung fand und nun mit zwei eindrücklichen Werken
in der St.Galler Sammlung vertreten ist: «Becoming
Julia», 2003,
und «Me Myself I», 2001. Bei letzterem handelt
es sich um den Titel eines populären Hits der amerikanischen
Songwriterin Joan Armatrading aus den achtziger Jahre. Diesen übersetzt
die Künstlerin in ein Video, das eine Art Road Movie
mit einer beinahe privaten Innensicht verbindet, während «Becoming
Julia» die von der Traumfabrik Hollywood permanent
produzierten Rollenmodelle dekonstruiert und eindringlich
die Frage nach
der Konstruktion von Identität im heutigen Medienzeitalter
stellt.
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Candice Breitz (*1972)
Me Myself I, 2001
Aus der Trilogie «Road Songs»
Videostill aus einer Installation mit drei Monitoren
Schenkung der Senn BPM AG, St.Gallen |
«Wild Seeds» lautet der Titel einer eindrücklichen Videoinstallation, welche die 1970 geborene Yael Bartana 2005 erstmals an der Biennale von Istanbul realisierte. Die israelische Künstlerin konfrontiert uns in ihrem Schaffen mit mediatisierten Erfahrungen der Wirklichkeit. Wiederholt hat sie sich mit der Militarisierung des israelischen Alltags bzw. dem Selbstverständnis des jüdischen Staates beschäftigt und dafür Bilder gefunden, denen eine zutiefst verstörende Qualität inne wohnt wie in den vermeintlichen Kinderspielen in «Wild Seeds».
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Yael Bartana (*1970)
Wild Seeds, 2005
Zwei-Kanal-Videoinstallation
Schenkung der Firma Senn BPM, St.Gallen
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