Bedeutende Neuerwerbungen Ostschweizer Kunstschaffender
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Alex Hanimann. Block variabel, 2007-2009 |
Traditionellerweise erwerben Stadt und Kanton St.Gallen aus der Ausstellung Heimspiel bedeutende Werke Ostschweizer Kunstschaffender für das Kunstmuseum St.Gallen. Damit kann das Kunstmuseum seinen Auftrag, wichtige Künstler aus der Region mit bedeutenden Werkgruppen für die Sammlung zu sichern, nachkommen. In der aktuellen Ausgabe des Heimspiels erwarben Stadt und Kanton gemeinsam den eindrücklichen Zeichnungsblock von Alex Hanimann. Der 1955 in Mörschwil geborene Künstler gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Schweizer Kunst. Alex Hanimann schöpft aus dem visuellen Vorrat der westlichen Kultur: Gebrauchsgegenstände, Porträts, Werbebotschaften, Zeitungsausschnitte, Filmstills…. Diese kombiniert er in seinen grossformatigen Papierarbeiten und konfrontiert Sujets unterschiedlichster Herkunft scheinbar wahllos miteinander. Dabei befragt er in ironisch-hintersinniger Weise die den vorgefundenen Bildern innewohnenden Ideologien, indem er einen Wettstreit sich widersprechender Codes und Informationen inszeniert. Die in ihrer formalen Sachlichkeit scheinbar einfach zu entschlüsselnden Zeichen werden in der Montage und Überlagerung mit vielschichtigen Bedeutungen aufgeladen. In der Kunst Halle St.Gallen realisierte Alex Hanimann eine seiner bisher eindrücklichsten Zeichnungsinstallationen.
Auch die Werkgruppe von pastoser Ölmalerei des 1959 geborenen Patrick Rohner konnte durch den Ankauf einer Serie von Bleistiftzeichnungen sinnstiftend erweitert werden. Der im Glarnerland lebende Künstler sucht in seiner Malerei eine Analogie zur Natur, zu den Gesteinsformationen der heimatlichen Bergwelt. Als Maler erforscht er das Material Farbe und lotet die physikalischen Möglichkeiten des Werkstoffs Farbe aus. Dabei entstehen abstrakte Bilder mit einer schrundig schroffen Oberflächenstruktur. Bei seinen Papierarbeiten handelt es sich um eigentliche „Abzeichnungen“ der grossformatigen Tafelbilder, die der Künstler mit virtuosem Strich zu erfassen sucht. Beinahe wissenschaftlich genau sucht er differenzierten Bildstrukturen zu erfassen. Dabei dokumentiert er zeichnerisch seine eigene Malerei, zugleich überführt er sie in ebenso subitle wie autonome Kleinformate, die den Künstler als virtuosen Zeichner offenbaren.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Gemeinsame Erwerbung der bedeutenden Sammlung Rolf Ricke durch drei Museen: Kunstmuseum St.Gallen, Kunstmuseum Liechtenstein, Museum für Moderne Kunst Frankfurt
Vor zwei Jahren widmete das Kunstmuseum St.Gallen der Sammlung Rolf Ricke eine Ausstellung und setzte sie in Bezug zu eigenen Beständen. «Sweet Temptations» nannte sich die eindrückliche Präsentation, eine Idealkollektion auf Zeit bzw. ein eigentliches «musée imaginaire». Und diesen süssen Verführungen konnten die Museumsverantwortlichen nicht widerstehen. Mit dem integralen Erwerb der kunsthistorisch bedeutenden Sammlung Rolf Ricke beschreiten das Kunstmuseum St.Gallen, das Kunstmuseum Liechtenstein und das Museum für Moderne Kunst (MMK) Frankfurt neue Wege und erproben innovative Modelle musealer Kooperationen. Die Sammlung Rolf Ricke spiegelt nicht nur eine persönliche Sicht auf entscheidende Entwicklungen in der Kunst der letzten dreissig Jahre, sie eröffnet den drei Partnermuseen zudem langfristig vielversprechende Perspektiven für die Zukunft.
Der Kölner Galerist Rolf Ricke zählt zu den Pionieren in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Als einer der Ersten stellte er in den 1960er Jahren in Europa die amerikanische Minimal und Postminimal Art vor und begleitete das Schaffen von wegweisenden Künstlern wie Donald Judd (1928-1994), Richard Artschwager (*1923), Barry Le Va (*1941), Keith Sonnier (*1941) oder Richard Serra (*1939). Von Letzterem soll die Bemerkung stammen: «Wenn ich will, dass der Dom versetzt wird, macht das der Rolf.»
Rolf Ricke war seiner Zeit stets weit voraus. So stellte er nicht nur die Grossen der jüngeren Kunstgeschichte aus, sondern förderte auch inzwischen beinahe in Vergessenheit geratene Künstler wie Bill Bollinger (1939-1971) oder Lee Lozano (1930-1999), deren Schaffen erst kürzlich wiederentdeckt wurde. Nie erlahmte sein Interesse an künstlerischen Entwicklungen. Ohne seinen Ansprüchen untreu zu werden, wandte er sich Neuem zu und förderte in den 1980/90er Jahren junge Kunstschaffende wie Cady Noland (*1956), Matthew McCaslin (*1957), Steven Parrino (1958-2005), Jessica Stockholder (*1959) oder Fabian Marcaccio (*1963). Seine eigene Sammlung mit bedeutenden Einzelwerken und umfangreichen Werkgruppen, insgesamt über 150 Gemälde, Skulpturen und Papierarbeiten «seiner» Künstler, dokumentiert eine sehr persönliche Sicht auf die Kunst. Die Sammlung ist von herausragender künstlerischer Qualität, und ihre Bedeutung liegt in den sich ergänzenden Werkgruppen, die ein dichtes Geflecht sinnstiftender Querbezüge eröffnen. Mit feinem Gespür und ohne auf gängige Trends zu äugen sah er künstlerische Entwicklungen voraus, erkannte früh kreatives Potential und engagierte sich für Kunstschaffende, die in der Folge zu den Grossen der neueren Kunstgeschichte zählen. Und so lotet seine Sammlung heute jene entscheidenden Mentalitätsräume aus, die die Kunst im Grunde bestimmen.
Dass die Sammlung Rolf Ricke integral erhalten bleibt, ist einem neuartigen Konzept und der einzigartigen Zusammenarbeit dreier Museen zu verdanken. Zugleich setzt diese glückliche Erwerbung ein dezidiertes Zeichen für die klassische Museumstätigkeit, für ein überlegtes Fokussieren auf die Notwendigkeiten einer Sammlung, indem trotz enger finanzieller Spielräume in partnerschaftlicher Zusammenarbeit eine private Kollektion für die Öffentlichkeit und damit für kommende Generationen erhalten bleibt.
Pressebilder: Auswahl aus der Sammlung Rolf Ricke
Ausstellungen mit der Sammlung Rolf Ricke:
Sammlung Rolf Ricke – ein Museum zur Gegenwartskunst auf Zeit
Villa Merkel, Esslingen
17. August – 15. Oktober 2008
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