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Italienische Malerei des Frühbarock


Federico Barocci
Urbino 1535 – 1612
Der heilige Sebastian (Studie), um 1590/95
Öl auf Papier über Leinwand
Schenkung Annette Bühler 2008


Seit der Renaissance erscheint der hl. Sebastian in der italienischen Malerei als junger Mann mit ebenmässigem Körper und sanften Gesichtszügen. Im Gemälde von Federico Barocci (um 1535–1612) – bei dieser absoluten Rarität handelt es sich um einen meisterhaft gemaltes «modello» für ein um 1590/95 entstandenes Altarbild im Dom von Genua – wird diese sentimentale Ausstrahlung im Sinne der gegenreformatorischen Bestrebungen überhöht.
Gemäss Legende wurde Sebastian, ein Offizier der kaiserlichen Garde, wegen seines öffentlichen Glaubensbekenntnisses zum Tode verurteilt. Nachdem er die Pfeile der Bogenschützen überlebt hatte, sich aber weiterhin standhaft zum Christentum bekannte, erschlug man ihn mit Keulen. Deshalb gilt er als Schutzheiliger gegen Seuchen und Pest, als Patron der Sterbenden sowie zahlreicher Berufe, die mit dem Kriegshandwerk verbunden sind.
Im «modello», das zu bildmässiger Perfektion vollendet ist, hat der Künstler den Ausdruck des Gesichtes in allen Einzelheiten festlegen wollen. Die Gemütsbewegungen des Dargestellten sind in der Physiognomie sichtbar gemacht. Im leicht geöffneten Mund verbildlichen sich die Leiden des Märtyrers, während die Vision des Mitleidens mit dem gekreuzigten Erlöser durch die aufwärts gedrehten Augen evoziert wird. Der hl. Sebastian – ein jugendlich schöner Mann und zugleich ein Vorbild an Tugendhaftigkeit und Glaubensstärke – ganz !
Barocci ist der wichtigste italienische Künstler der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Seine Bedeutung für die Malerei des internationalen Barock ist kaum zu überschätzen, wie allein schon der prägende Einfluss auf den Flamen Peter Paul Rubens belegt.

 

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