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Das Goldene Zeitalter:
niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts

Wer kennt nicht die berühmten niederländischen Meister des Barock wie Rembrandt oder Rubens? Daneben erstaunt jedoch die Breite und hohe Qualität kultureller Erzeugnisse im Goldenen Zeitalter. Dank grosszügiger Schenkungen u.a. von Arnold Otto Aepli und der Albert Koechlin Stiftung ist diese glanzvolle Epoche im Kunstmuseum St.Gallen in ihrer gesamten Vielfalt vertreten: religiöse und mythologische Sujets von David Teniers (1610-1690) oder Moyses van Wtenbrouck (um 1600-1646/47), bürgerliche Genredarstellungen von Simon Kick (1603-1652) oder Pieter Codde (1599-1678), Porträts von Jacob Backer (1608-1651) oder Salomon Koninck (1609-1656) sowie repräsentative Landschaften und Stilleben.

 


Willem Cornelisz. Duyster (1599-1635)
Schlafender Soldat, um 1630
Öl auf Kupfer, 24 x 31,5 cm, oval
Schenkung Annette Bühler in Erinnerung an Prof. Dr. Eduard Hüttinger

 

«Der schlafende Soldat»: Beim Gemälde von Willem Duyster (1599-1635), handelt es sich um ein Meisterwerk, mehr noch: um eine eigentliche Rarität, sind doch weltweit nur gerade 35 Gemälde des Künstlers bekannt. Duyster gilt als Pionier der holländischen Genremalerei im frühen 17. Jahrhundert, und seine Werke wurden wiederholt dem berühmten Gerard ter Borch zugeschrieben. Bereits in den 1620er Jahren löste er sich von den buntfarbigen flämischen Vorbildern und entwickelte einen wirklichkeitsnahen Stil von grosser Raffinesse in der Wiedergabe von Stofflichkeiten. Neben Darstellungen aus dem häuslichen Leben malte er «cortegaardjes» oder «Wachstuben»: Szenen mit Soldaten beim Spiel oder beim Ruhen. Inspiriert vom Freiheitskrieg der protestantischen Holländer gegen das katholisch-habsburgische Spanien, versinnbildlichen diese Bilder die Bereitschaft zur Verteidigung oder wie im «Schlafenden Soldaten» den Wunsch nach Frieden.

 


Salomon van Ruysdael (1600/03-1670)
Flusslandschaft mit Fähre, 1641
Öl auf Eichenholz, 62 x 89 cm
Schenkung der Albert Koechlin Stiftung, 1997

 

Die Herausbildung der holländischen Flachlandschaft aus der flämischen Tradition der Waldstücke, u.a. vertreten durch ein Gemälde von Gillis Claesz de Hondecoutre (1580-1638), lässt sich anhand zahlreicher Werke bedeutender Meister schrittweise nachvollziehen. Ein seltenes Bildpaar von Esaias van de Velde (1587-1630) ist Zeugnis einer neuen Wirklichkeitsauffassung, die ihren Höhepunkt in den Landschaften von Jan van Goyen (1596-1656) und Salomon van Ruysdael (1600/03-1670) findet. Ruysdaels «Flusslandschaft mit Fähre» (1641) vereinigt in sich alle Charakteristiken des Bildtypus wie die diagonale Raumerschliessung oder die Aufmerksamkeit in der Behandlung von Licht und Atmosphäre. Obwohl «realistisch» in den Einzelheiten, muss man sich die Entstehung des Gemäldes im Atelier stets vergegenwärtigen. Es bildet keinen bestimmten Ort ab, sondern fügt topographische Elemente zur typisch holländischen «Ideallandschaft» zusammen.

Kunsthistorisch ebenso repräsentativ erweist sich das Gemälde von Pieter Molyn (1595–1661), das exemplarisch eine Untergattung der Landschaftsmalerei vertritt: das «Dünenstück». In ausschnitthafter Komposition verzaubert eine überzeugende Wiedergabe atmosphärischer Stimmungen eine alltägliche Szenerie.



Pieter Molyn (1595 – 1661)
Weite Dünenlandschaft in Abenddämmerung, um 1635
Öl auf Eichenholz, 36,5 cm x 50 cm
Schenkung Annette Bühler, Zürich

 


Anonymer holländischer Meister
Stilleben mit Austern, um 1630
Öl auf Eichenholz, 31 x 44,5 cm
Schenkung der Albert Koechlin Stiftung, 1998

 

Einen Höhepunkt der Stillebenmalerei des Goldenen Zeitalters bildet ein von unbekannter Hand geschaffenes «Austernstilleben». Seine historische Bedeutung liegt in der Datierung um 1630, womit das Werk ein frühes Stadium in der die Entwicklung der Bildgattung zum sogenannten monochromen «banketje» vertritt. Selbst wenn die Autorschaft nicht abschliessend geklärt ist, handelt es sich zweifellos um eines der herausragenden Beispiele der Gattung. Das Bild ziert daher die Standardpublikation zum Thema. Ein Brötchen, ein Zinnteller mit aufgeschnittener Zitrone, Austern, ein gefülltes Weinglas, eine Olive und ein Messer: So unspektakulär das Gegenstandsinventar, so raffiniert präsentiert sich das Arrangement in malerisch perfekter Ausführung.

 


Roelof Koets (1592–1654) / Pieter Claesz (1597–1660)
Stilleben mit Weintrauben, Äpfeln und einem Römer, 1634
Öl auf Eichenholz, 56,5 x 84 cm
Schenkung der Albert Koechlin Stiftung

 

Im einzigartigen Stilleben von Roelof Koets (1592–1654) und Pieter Claesz (1597–1660) bildet die symmetrische Form des mit Weisswein gefüllten Glases in ihrer kristallinen Klarheit einen klaren Kontrast zur Opulenz des überquellenden Früchtekorbs und zur Bewegtheit der Blattranken. Das einfallende Licht bringt die unterschiedliche Stofflichkeit von Organischem und Anorganischem, von natürlich Gewachsenem und künstlich Hergestelltem prägnant zur Darstellung. In der präzisen Wiedergabe optischer Phänomene und dem reduzierten Kolorit erweist sich das «Stilleben mit Weintrauben, Äpfeln und einem Römer» als charakteristisches Beispiel des «monochromen banketje», einer Stilleben-Gattung, die sich ab 1625 im holländischen Haarlem herausbildete. Das Bild ist 1634 datiert und stammt somit aus der Blütezeit des «monochromen» Stils. Zugleich handelt es sich um ein hervorragendes Beispiel einer im 17. Jahrhundert keineswegs unüblichen Kooperation: Der in scharfen Umrissen und pastosem Farbauftrag wiedergegebene Römer verrät unverkennbar die Hand des Pieter Claesz, während die weichere Malerei von Trauben, Weinlaub, Äpfeln und Weidenkorb dem Stil von Roelof Koets entspricht. Die stilistischen Unterschiede der zwei ausführenden Hände sind nicht nur von kunsthistorischem Interesse, sondern haben in diesem Bild eine glückliche ästhetische Wirkung gefunden, welche die beiden Maler zweifellos bewusst anstrebten. Das dem Kunstmuseum geschenkte Gemälde vertritt das «monochrome» Stilleben ebenso speziell wie repräsentativ und erweitert die Sammlung holländischer Stillebenmalerei um ein weiteres malerisches Glanzlicht.

 


Jan Davidsz. de Heem (1607-1683/84)
Stilleben mit Blumen und Steingutkanne, um 1650
Öl auf Leinwand, 47 x 61 cm
Vermächtnis Arnold Otto Aepli, 1898

 

Mit der reduzierten Objektzahl und seinem verhaltenen Gesamtton kontrastiert der monochrome Stil mit dem späteren Typus des Prunkstillebens, wie er sich im «Stilleben mit Blumen und Steingutkanne» (um 1650) von Jan Davidsz. de Heem (1606-1683/84) ankündigt. Im Zurschaustellen reichhaltiger Tafeln findet das bürgerliche Repräsentationsbedürfnis seinen Ausdruck, stets durchdrungen jedoch vom Gedanken der Vanitas, der Vergänglichkeit allen irdischen Daseins. Gerade die Stillebenmalerei veranschaulicht eindrücklich die hohe künstlerische Qualität, welche die niederländische Barockmalerei generell auszeichnet.

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