Appenzeller Bauernmalerei
Die
Senntumsmalerei hat sich aus dem Brauchtum der Alpfahrten entwickelt.
Nach 1800 wurde bei diesen festlichen Anlässen am Boden
des Melkeimers, den der Senn auf der Schulter trug, ein bemalter
Holzteller befestigt. In der Ostschweiz entstanden im 19. Jahrhundert
Bauernmalereien von höchster künstlerischer Qualität,
weshalb man sie als Teil des kulturellen Erbes der Region bereits
früh in die Sammlung des Kunstmuseums integrierte. Neben
Sennenbödeli und Möbelmalereien waren vor allem die
klassischen Sennenstreifen im bäuerlichen Umfeld beliebt.
Das Kunstmuseum St.Gallen kann die Tradition der Senntumsmalerei
in all ihren Ausprägungen anhand zahlreicher Meisterwerke
ihrer bedeutenden Vertreter umfassend präsentieren.
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Bartholomäus Lämmler (1809-1865)
Viehweide unter Kamor, Hohem Kasten und Staubern, 1854
Öl auf Karton, 51 x 68,5 cm
Überwiesen vom Historischen Museum, 1978 |
«Viehweide
unter Kamor, Hohem Kasten und Staubern» (1854) von
Bartholomäus
Lämmler (1809-1865) gilt als das unbestrittene Hauptwerk
der Appenzeller Bauernmalerei. In ungewöhnlicher Frische
und ohne Rücksicht auf Grössenverhältnisse
stellt der Künstler Kühe und Figuren dar. Selbst
fremde Berggänger und Jäger finden Eingang ins
Motivinventar und belegen deutlich, dass die Bauernmalerei
zu ihrer Blütezeit
keiner Verklärung ländlicher Kultur Vorschub leistete,
sondern vielmehr selbstbewusster und zeitgemässer Ausdruck
der kulturellen Identität des Appenzeller und Toggenburger
Lebensraumes war.
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Johannes Müller (1806-1897)
Alp Wendbläss, 1859
Öl auf Papier auf Karton, 30,7 x 47 cm
Erworben 1957 |
Bei
Johannes Müller (1806-1897) fand die Bauernmalerei Mitte
des 19. Jahrhunderts ihre klassische Formulierung. Und so
wurde der Künstler nach 1865 mit Aufträgen von
wohlhabenden Bauern überhäuft, nicht zuletzt, da
er die Kühe
naturnäher darzustellen pflegte als sein Vorgänger
Lämmler. Im Gegensatz zu diesem beachtet er die innerbildlichen
Grössenverhältnisse, so dass bei seinem ersten
signierten Werk, der «Alp Wendbläss» (1859),
die Sennen als winzige Figuren in die weite Appenzeller Berglandschaft
eingebettet erscheinen. Von Müller stammen neben zahlreichen
Alpfahrten auch Ansichten prominenter Gebäude wie des
Gasthofs Rossfall.
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Franz Anton Haim (1830-1890)
Drei Sennen beim Jassen und Hund
Gefirnisste Tempera auf Papier, 13,9 x 12,2 cm
Depositum der Eidgenössischen Gottfried Keller-Stiftung
Schenkung Prof. E. Rutishauser, 1972 |
Von
Franz Anton Haim (1830-1890), dessen Schaffen in der Sammlung
mit zahlreichen Sennenstreifen, Alpfahrten sowie der farblich überraschend
differenzierten Darstellung des Gasthofs Goldibach bei Teufen
breit vertreten ist, stammt die bemerkenswerte kleinformatige
Bildtafel «Drei Sennen beim Jassen und Hund». Die
Komposition der um den Tisch versammelten Bauern besticht durch
eine strenge Anordnung der Bildelemente, wie sie für Haims
gesamtes Werk typisch ist. Das Motiv der Bauern beim Freizeitvergnügen
allerdings ist einzigartig und lässt dieses Werk als einmalige
künstlerische Leistung innerhalb der Appenzeller und
Toggenburger Senntumsmalerei hervortreten.
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