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Klassische Moderne: Von Kirchner bis Klee

Zwischen Geste und Geometrie bewegt sich die Entwicklung der Kunst der Moderne. Expressiver Ausdruck auf der einen und konstruktive Ordnung auf der andern Seite prägen die Avantgarden, von den Expressionisten über die Konstruktivisten bis zur informellen und zur konkreten Kunst der Nachkriegszeit. Alle diese Strömungen sind im Kunstmuseum St.Gallen mit zum Teil bedeutenden Werken vertreten.

 


Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938)
Alpaufzug, 1918/19
Öl auf Leiwand, 139 x 199 cm
Erworben 1955

 

Als die herausragende Persönlichkeit der Künstlergemeinschaft «Die Brücke» war Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) am Aufbruch des Expressionismus in Deutschland beteiligt. Auf den hektischen Grossstadtexpressionismus folgte eine Werkphase, die durch seine Begegnung mit der Bergwelt bestimmt war. Nachdem er im Krieg erkrankt war, zog sich Kirchner zur Genesung nach Davos zurück und schuf dort sein durch die Landschaft geprägtes Spätwerk. Zu den eindrücklichsten Gemälden dieser Jahre zählt «Der Alpaufzug» (1918/19). In einer bewegten Komposition in leuchtenden Farben, aufgetragen mit heftigem Pinselstrich, wird die alpine Szenerie ins Expressive gesteigert: eine gewaltige Zusammenfassung unberührter Natur und ursprünglichen Berglerlebens. Entschieden beruhigter erscheint der Jahre später vollendete «Bahnhof Davos» (1925), der das Eindringen der Technik in die unberührte Bergwelt veranschaulicht – mit hochgetürmten Hotelsiedlungen und elektrifizierter Lokomotive.

 


Sophie Taeuber-Arp (1889-1943)
Gelbe Form, 1935
Öl auf Leinwand, 60 x 55 cm
Schenkung Marguerite Arp-Hagenbach, 1966

 

Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) gehörte 1916 zusammen mit ihrem nachmaligen Gatten Hans Arp (1887-1966), der mit einer späten Bronzeskulptur in der Sammlung vertreten ist, zu den Gründern der Dada-Bewegung in Zürich und auch zu den Mitgliedern der Gruppe «Abstraction-Création», in der sich die Pariser Avantgarde vereinigte. Ihre eigenen Arbeiten, vorwiegend fein ausbalancierte Bilder und farbige Reliefs, sind geprägt von der Spannung zwischen freien Beziehungen der Elemente und strenger Gesamtkomposition. Im wunderbar leuchtenden Bild «Gelbe Form» (1935), einer Schenkung von Marguerite Arp-Hagenbach, verbinden sich geometrische und organische Formen zu einer Gesamtstruktur, die dank des weichen Farbkontrasts zugleich das Positiv-Negativ-Prinzip auslotet. Selbst ihre strengeren Kompositionen erscheinen im Vergleich mit den kalkulierten Bildordnungen der jüngeren, in der Sammlung ebenfalls präsenten Zürcher Konkreten – Max Bill (1908-1994) oder Camille Graeser (1892-1980) - ungezwungen und verspielt.

 


Paul Klee (1879-1940)
Tänzerpaar, 1923
Aquarell, 20,5 x 15,5 cm
Schenkung Erna und Curt Burgauer, 1987

 

Paul Klee (1879-1940) vereint das geometrisch Konstruktive und dessen Ordnung mit dem Zufälligen, Fantastischen, gar Chaotischen. Er findet ein Gleichgewicht zwischen der autonomen Form und der Gegenständlichkeit, in der die Bildgestalt Bezug nimmt nicht zu einer äusseren, sondern zu einer inneren Wirklichkeit. Diese vielschichtigen Referenzen lassen sich in einer konzentrierten Werkgruppe, die das Kunstmuseum St.Gallen einer Schenkung von Erna und Curt Burgauer verdankt, studieren. Einen Höhepunkt bildet das feingliedrige «Tänzerpaar», entstanden 1923 während Klees Lehrtätigkeit am Bauhaus. Das Bildgeviert scheint durch fein abgestufte Farbflächen gegliedert, aus dem sich zwei puppenhafte Figuren herausbilden, die an Notenschlüssel erinnern und damit das musikalische Bildthema subtil andeuten.

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