Bauernkunst

Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei von 1600 bis 1900

22. März - 7. September 2014, Kunstmuseum

Die von der St.Galler Kantonalbank unterstützte Ausstellung Bauernkunst im Kunstmuseum St.Gallen führt Schlüsselwerke der Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei von 1600 bis 1900 zusammen, um an wenigen, aber entscheidenden Künstlerpersönlichkeiten – auch wenn sie gelegentlich noch nicht mit Namen fassbar sind – die Entwicklung und den hohen Rang dieses einzigartigen Kulturerbes sichtbar zu machen.

Kurator: Rudolf Hanhart, Roland Wäspe

Die Ausstellung zeigt anschaulich, wie die Bauern ihre Welt über rund drei Jahrhunderte hinweg von ihren Malern darstellen liessen. Rudolf Hanhart, ehemaliger Direktor des Kunstmuseums St.Gallen, gehört zu den Kennern des Fachgebietes. Seine Forschungen und damit die Quintessenz seiner lebenslangen Beschäftigung mit dem Thema fliessen in die Präsentation ein.

Mit mehr als fünfzig bedeutenden Exponaten gibt die Ausstellung einen reichhaltigen Überblick über die Entwicklung der verschiedenen Bildträger, von den bemalten Bohlenwänden der Frühzeit über die reiche Tradition der Toggenburger und Appenzeller Möbelmalerei im 18. Jahrhundert bis zu der sich ab 1830 entwickelnden gefeierten Senntum-Malerei auf Eimerbödeli, Sennenstreifen und Tafelbildern. In der Blütezeit dieser eigenständigen bäuerlichen Kultur entfaltete sich im Appenzellerland eine Bauernmalerei von einzigartigem Reichtum.

Die Ausstellung wird grosszügig unterstützt durch die St.Galler Kantonalbank.

Zeughaus Teufen

Parallel zur St.Galler Ausstellung findet im Zeughaus Teufen unter dem Titel Bauernkunst?  eine von Marcel Zünd zusammengestellte Präsentation zur Kultur und Kunst der Möbelmalerei im Appenzellerland des 18. und 19. Jahrhunderts statt. Die Ausstellung ist das Resultat langjähriger Forschung und widmet sich der spezifischen Entwicklung der Appenzeller Möbelmalerei zwischen 1700 und 1860.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Künstlerinnen und Künstler

Conrad Starck: Fahreimer, 1820, Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

* 1769 Gonten, † 1817 Gonten

Das Wissen über den Möbelmaler Conrad Starck änderte sich grundlegend durch die Einzelausstellung, mit der ihn das Museum Appenzell im Jahr 2007 würdigte. Es stellte sich heraus, dass die zahlreichen bemalten Möbel, die ihm bisher zugeschrieben worden waren, nicht das Œuvre eines einzelnen Malers sind, sondern dass sie Produkte einer breiten Bewegung innerhalb der Appenzeller Bauernkunst darstellen. Diese Werke zeigen realistische Szenen aus dem Bauernalltag, die in der Appenzeller Bauernmalerei zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufkamen und sich bis um 1830 finden.

Conrad Starck ist 1817 gestorben, mitten im Zeitraum, in dem die Werke entstanden sind, die man ihm zuschrieb, bevor Achilles Weishaupt die genauen Lebensdaten des Malers nachweisen konnte. Er wirkte in Gonten, im Halbkanton Appenzell Innerhoden, einer Gegend, in der die Bauernmalerei damals eine Blütezeit erlebte. Neben und nach Conrad Starck haben andere, namentlich nicht bekannte Maler in gleicher Art wie er gearbeitet. Dazu kommen verschiedene, die in Appenzell Ausserrhoden wirkten. Werkgruppen dieser Maler schlüssig gegeneinander abzugrenzen, ist bisher nicht gelungen. Die Malereien auf dem 1809 entstandenen Kasten «Gemacht von Conrad Starck» lassen jedenfalls einen überragenden Maler erkennen, der auf andere einwirkte, und demonstrieren wie kaum ein anderes Bildwerk das Programm der neuen Epoche.

Quelle: SIK-ISEA, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, SIKART Lexikon

Johannes Bartholomoläus Thäler: Hungertafel, um 1830, Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

* 1806 Hundwil, † 1850 Herisau

Zu den Spezialitäten des Johannes Bartholomäus Thäler gehörte das Bemalen von Tellern, die als Geschenke für Hochzeiten und andere Festlichkeiten beliebt waren. Einige dieser Teller versah er mit Signaturen, denen er die Berufsbezeichnung «Kunstmaler» beifügte. Demnach suchte er sich von der bäuerlichen Handwerkertradition zu lösen und sich an aus der Stadt importierten Vorstellungen zu orientieren. Man findet kaum ein bemaltes Möbel auf dem die gleiche Hand tätig wurde, die auf den von Thäler signierten Malereien erkennbar ist. Dennoch wird er sogar als zentrale Figur einer Gruppe von Möbelmalern in Anspruch genommen. Sein Bedürfnis Neuerungen einzuführen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er für die Dorfbevölkerung tätig war und deshalb zurecht der Bauernkunst zugerechnet wird.

Quelle: Rudolf Hanhart

Bartholomäus Lämmler: Viehweide unter Kamor, Hohem Kasten und Staubern, 1854, Kunstmuseum St.Gallen

* 1809 Herisau, † 1865 Wolfhalden

Das Werk des Batholomäus Lämmler geriet nach seinem Tod  in Vergessenheit. Seine Wiederentdeckung verdanken wir Erwin Burkhardt, der um 1940 die Signatur des Malers unter dem Rahmen des grossen Alpfahrtsbildes des Historischen Museums St. Gallen aus dem Jahre 1854 ausmachte. Dies ermöglichte, das nicht sehr umfangreiche Werk Lämmlers allmählich aufzuschlüsseln: Es umfasst eine Truhe, neun Kästen, acht Bödeli, zwei monumentale Kuhdarstellungen und sechs vollständige Sennenstreifen sowie doppelt soviele Sennenstreifenfragmente, einige einzelne Möbelfüllungen, drei Alpfahrtstafeln, eine Kreuzwegstation und ein Wirtshausschild.

Herausragendes Merkmal der wenigen überlieferten Bilder sind die mangelhafte Beherrschung der Perspektive, die spontane Malweise, das ungewöhnliche Farbempfinden und der heiter erzählerische Stil. Seine drei Alpfahrtstafeln hat Lämmler mit Ölfarben auf Pappe gemalt. Die flächig gemalten Figuren sind mit pastosem Farbauftrag dargestellt und je nach ihrer Bedeutung für die Komposition grösser oder kleiner gezeichnet. Das Hauptthema bildet im Vordergrund die Sennentätigkeit auf der Alp mit den in zwei bis drei Reihen übereinander angeordneten Kühen und Geissen. Die grossartige Stilisierung der mit erhobenem Kopf schreitenden Kuh hat viele Senntum-Maler angeregt. In der heutigen Werbegrafik erfreut sie sich besonderer Beliebtheit.

Quelle: SIK-ISEA, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, SIKART Lexikon

Johannes Müller: Eimerbödeli, 1835, Appenzeller Volkskundemuseum Stein AR

* 1806 Hundwil, † 1897 Stein (AR)

Johannes Müller gilt zusammen mit Bartholomäus Lämmler als Mitbegründer der Ostschweizer Senntum-Malerei. Er verbrachte sein ganzes Leben in Stein (AR). Seine frühen Bödeli ab 1835 erinnern stilistisch an Conrad Starck, zum Beispiel durch die ausgeprägte Modellierung der Kühe (wobei das Schnitzen und Bemalen von Spielzeugkühen dem Künstler zusätzliche Erfahrung in räumlicher Gestaltung vermittelt hat). Auch die Darstellung der Sennen ähnelt derjenigen von Starck, nur sind diese etwas pausbäckiger gemalt. Anfang der 1850er Jahre schuf er den klassisch gewordenen Darstellungstyp der Alpfahrt mit zwei Sennen, drei Schellenkühen und einer oder zwei vorausgehenden Geissen im Vordergrund des Bildes.
Müllers sachlich verlässliche und farblich überzeugende Schilderungen des grossen Augenblicks der Bestossung der Gemeinschaftsalp mit den vielen naturgetreuen, zum Teil minutiös wiedergegebenen Einzelheiten scheinen den Wünschen der Auftraggeber genau entsprochen zu haben. Diese Alpfahrtstafeln haben allen übrigen Senntum-Malern – ausser Lämmler und Franz Anton Haim – als Vorbild gedient. Dadurch avancierte Müller zum erfolgreichsten Senntum-Maler überhaupt und konnte als einziger recht gut von seiner Kunst leben. Die Kraft seines Werkes nahm jedoch nach 1880, als er stereotypisch und immer mehr auf Vorrat zu malen begann, stetig ab.
Wie die meisten grossen Senntum-Maler der klassischen Zeit verwendete auch Johannes Müller für seine Bilder Ölfarbe auf Papier oder Karton. Auf diesen Werken versuchte er als erster Senntum-Maler durch Verkürzung der Figuren gegen den oberen Bildrand Weite und Raumillusion zu vermitteln, ohne aber dieses Vorhaben konsequent zu verfolgen. Dies lässt sich in seiner Darstellung der Alp Wendbläss aus dem Jahre 1859 (Kunstmuseum St. Gallen) besonders gut erkennen. Eine aussergewöhnliche Gestaltungsweise hat Müller auch für die Bäume gefunden: Durch eine eigens entwickelte Tupftechnik und nuancierte Farbgebung erreichte er hier ebenfalls eine dreidimensionale Wirkung.

Quelle: SIK-ISEA, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, SIKART Lexikon, Guy Filippa, 1998

Johannes Zülle: Waldstatt, 1874, Appenzeller Volkskunde-Museum Stein AR

* 1841 Schwellbrunn, † 1938 Herisau

Johannes Zülle wurde 1841 in Schwellbrunn geboren. 1854 siedelte die Familie nach Wadstatt um, wo sich Johannes Zülle zum Maler entwickelte. Er blieb unverheiratet. Mit seinen Bildern errang er die Anerkennung seiner Landsleute. 

Das früheste Senntum-Bild von Johannes Zülle trägt die Aufschrift «Alpfahrt in die Schwäg Alp und der hohe Säntis mit Öl Farb gemacht von Joh. Zülle in Waldstatt 1870». Das grosse Bild gehört zu den Hauptwerken der Senntum-Malerei. Nachdem er dieses unbändig ausufernde Frühwerk gemalt hatte, traf er auf den Senntum-Maler Johannes Müller und hat ihm dieses Gewerbe abgeschaut, wie er selbst sagte. 1874 steht Zülle mit völlig anderen Arbeiten vor uns, die ihn als den subtilsten Handwerker unter den Senntum-Malern auszeichnen.

Ein weiteres Bild,  das Zülles Fähigkeit zu handwerklicher Perfektion zeigt ist mit der Aufschrift «Egg in Unterwaldstatt von Johs. Zülle in Waldstatt 1874» versehen und entstand ebenfalls auf dem Höhepunkt von Zülles Schaffenskraft. Er übertrifft sein Vorbild Johannes Müller an Detailschärfe und geht wie Conrad Starck an die äussersten Grenzen dessen, was mit der Parallelperspektive und mit präziser Wiedergabe aller Einzelheiten an Naturnähe erreicht werden kann.

Quelle: Rudolf Hanhart

Franz Anton Haim: Sennen beim Schellenschütte, 1882, Kunstmuseum St.Gallen, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung

* 1830 Haslen, † 1890 Haslen

Franz-Anton Haim verbrachte sein ganzes Leben auf seinem Hof Fendrig auf Leimensteig. Die Malerei hat der Junggeselle nur nebenbei betrieben. Wegen der hohen künstlerischen Aussage- und Erfindungskraft seiner Darstellungen gilt Haim neben Bartholomäus Lämmler (1809 – 1865) als der bedeutendste Ostschweizer Senntum-Maler.

Haim hat kaum Vorbilder gehabt, wenn er auch Johannes Müller (1806 – 1897) sicher gekannt hat. Das früheste Bild stammt aus dem Jahre 1862, drei Jahre vor Lämmlers Tod. Die umfangreichere Produktion von Gemälden und Fahreimerbödeli beginnt erst 1870. Die Darstellungen aus den 1870er und frühen 1880er Jahren weisen noch einen durchwegs dunklen Bildgrund auf.

Die durch klare, einfache Zeichnung gekennzeichneten, puppenhaft aussehenden, meist – im Gegensatz zu jenen von Lämmler – kleinformatigen Figuren, die Spontaneität und der Einfallsreichtum der zahlreichen, unbekümmert eingestreuten köstlichen Anekdoten zeugen von der hohen Originalität Haims und bewirken, dass seine Tafeln an ornamentale Teppiche erinnern. Die goldene Sonne mit menschlichem Gesicht am Horizont, welche oft als Signatur von Haim angesehen wird, aber nicht auf allen Bildern vorkommt, wurde in der Senntum-Malerei erstmals von Lämmler auf eine Kastenfüllung von 1838 gemalt. 

Im Unterschied zu anderen Senntum-Malern, die eine der Ölmalerei verwandte Technik einsetzten, malte Haim mit einer Art Tempera und firnisste seine Tafeln, die leider dadurch oft infolge Oxidation eine gelbrötliche Tönung aufweisen. In den Bildern Haims spürt man eine ungebändigte Vitalität, die, im Gegensatz zu den Arbeiten von Johannes Müller, auch sein Spätwerk prägt.

Franz-Anton Haim starb auf seinem Hof an Wassersucht. Sein Totenbrett ist im Historischen Museum in St. Gallen aufbewahrt. Darauf ist folgende Inschrift – mit fehlerhafter Altersangabe – angebracht: «Zum Andenken an den ehrsamen Jüngling Franz Anton Heim, gestorben den 13. August 1890 Sein Alter 59 Jahr 8 Monat, 2 Tag.»

Quelle: SIK-ISEA, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, SIKART Lexikon, Guy Filippa, 1998

Johann Jakob Heuscher: Gasthaus zum Schützengarten, Herisau, 1874, Kunstmuseum St.Gallen

* 1843 Herisau, † 1901 St. Gallen

Johann-Jakob Heuscher lernte den Beruf eines Stickereizeichners, zeitweise betätigte er sich auch als Gastwirt und verfertigte als Heimarbeiter Webereimusterzeichnungen, die er jeweils selbst an Fabrikanten an der St. Galler Börse verkaufte.

Vierzig Jahre lang wanderte Heuscher durch das Appenzellerland auf der Suche nach Malaufträgen von Gastwirten und wohlhabenden Bauern. Erhielt er einen Auftrag, so verbrachte er jeweils zwei Tage vor Ort bis zur Fertigstellung des Bildes und erhielt dafür neben Kost und Logis noch einige Franken. Da er nur im Auftrag malte, entging er jedem Schema, so dass seine Bilder in ihrer Originalität auch ein hohes Mass an Authentizität aufweisen. Er gilt deshalb unter den klassischen Senntum-Malern als der grosse «Porträtist» von Liegenschaften, Wirtschaften und Dorfansichten aus dem Appenzellerland. Über hundert solche Blätter sind erhalten geblieben, was auf den hohen Grad seiner Beliebtheit bei den Bauern schliessen lässt. Heuscher umrahmte alle seine Blätter mit einem selbst angefertigten Passepartout aus verschiedenen Linien und einem goldenen oder silbernen Streifchen Papier mit Prägedruck; die meisten seiner Bilder hat er unten signiert und datiert. Sein erstes Bild malte Heuscher 1864, die letzten kurz vor seinem Tod.

Wie Johannes Müller für die Alpfahrt richtungweisende Darstellungsformen fand, erarbeitete Heuscher Möglichkeiten der sachgetreuen Wiedergabe von Liegenschaften, die später als Vorbilder dienten. Immer wieder versuchte der Maler, die Charakteristiken der Gebäude zu erfassen. Wir finden in seinem Werk entsprechend viele verschiedene Hausvarianten. Mit dem Sennenleben war Heuscher hingegen nicht sehr vertraut. Die wenigen Alpfahrtstafeln von seiner Hand orientieren sich zum grössten Teil an Müller, seine Kühe aber erinnern an die Tiere von Bartholomäus Lämmler. Von ihm übernahm er auch die querfliegenden schwarzen Vögel, die auf allen Bildern von Heuscher anzutreffen sind.

Die unverwechselbar persönliche Ausdrucksweise Heuschers besteht, neben der minutiösen Bearbeitung des Bildes, in seiner Maltechnik. Er verwendete fast durchwegs dünn aufgetragene Ölfarbe, zum Teil auch lasierende Wasserfarben, welche die Zeichnung durchscheinen lassen, und Deckweiss. Alle Bilder Heuschers wurden mit Firnis überzogen, der zum Teil wie bei Franz Anton Haim wegen Oxidation vergilbte. 

Quelle: SIK-ISEA, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaften, SIKART Lexikon, Guy Filippa, 1998

Anna Barbara Aemisegger-Giezendanner: Haus Rössli, Seewies, Wildhaus, Ende 19. Jahrhundert, Kunstmuseum St.Gallen

* 1831 Bendel, † 1905 Hemberg

Erste Anleitung im Schreiben und Zeichnen erhielt Anna Barbara Aemisegger-Giezendanner, gennant s'Giezendanners Babeli, von ihrem Vater, der Lehrer war und sich damit einer Bevölkerungsschicht angehörte, die sich damals von der bäuerlichen Lebensweise löste, um eine bürgerliche Lebensform anzunehmen. Die mag erklären, dass die Bilder seiner Tochter sich dem Biedermeier annähern und das Bäuerliche weniger im Fokus stand.

In Lichtensteig arbeitete sie beim Lithografen Johann Georg Schmied. Bis zum Tod ihres Mannes 1873 malte Giezendanner nur wenig. Danach verdiente sie den Familienunterhalt u.a. mit Handweberei, Zeichnen von Veduten, Malen von Senntumsbildern, Bauernhäusern, Dörfern, Andenkenblättern und Albumbildern.

Es sind vor allem die Landschaftsmalereien Giezendanners, die ihre Fähigkeiten als Malerin eindrucksvoll belegen. In der Behutsamkeit, mit der sie unter Anhöhen Häuser in den Wiesengrund setzt, die in üppige Vegetation eingebettet sind, zeigt ihr ganzes Können.

Ab 1880 führte sie ein Wanderleben, 1901-04 wohnte sie in Rheineck, 1904 bis zu ihrem Tod im Armenhaus von Hemberg. Als erste Frau schuf sie ein bedeutendes Werk der Toggenburger und Ostschweizer Bauernmalerei.

Quellen: Rudolf Hanhart und Historisches Lexikon der Schweiz, Wolfgang Göldi

Christoph Sebastian Allgöwer: Ansicht des Berghügels Rosenberg bei Herisau, Kunstmuseum St.Gallen

*1827 St.Gallen, † 1908 St.Gallen

Chistoph Sebastian Allgöwer wurde als Lithograph ausgebildet und hielt sich in jungen Jahren als Handwerksbursche in den grossen Städten Deutschlands und Österreichs auf. Nach seiner Rückkehr blieb er in St.Gallen beruflich erfolglos und sah sich genötigt hausieren zu gehen. Sein Glück suchte er in der Malerei, fand aber, anders als die Bauernmaler auf dem Lande, keinen nennenswerten Rückhalt in der Stadt. Seine Motive suchte er in der nächsten Umgebung St.Gallens.

Ein einziges ländlich anmutendes Sujet, das von Allgöwer bekannt ist (Ansicht der Liegenschaft Thal mit dem Burghügel Rosenberg in Herisau), verleitet dazu in ihm einen Bauernmaler zu sehen. Er sah jedoch die Natur nicht mit der distanzierten Sachlichkeit des Bauern, sondern eher in der romantisch verklärten Sicht des Städters.

Allgöwer steht daher nicht in der Tradition der Senntum-Malerei. Er hat aufgrund seiner Ausbildung zum Lithografen eine formelhafte Bildsprache gefunden, die ihn zu eigenständigen Resultaten führte.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der frommen Sinnsprüche: Himmelbett der Elisabeth Scherrer, 1756, Appenzeller Volkskunde-Museum, Stein AR

Datierte Arbeiten des Malers der frommen Sinnsprüche sind von 1752 bis 1767 bekannt. Er war im oberen Toggenburg tätig. Seine Anfänge sind schwer zu erkennen. Er entwickelte seine Malweise aus den Blumenmalereien der Frühzeit. Fromme Sinnsprüche kommen bei verschiedenen Malern vor, bei keinem anderen wird aber der Bildeindruck so auffallend von der Schrift beherrscht. Sie erscheint meistens umrahmt und steht vor einer ornamental ausgeschmückten Umgebung. Bei diesem Maler wird am deutlichsten, dass die Schrift in der Möbelmalerei anderen Bildelementen gleichbedeutend angewendet wird. Der orthographisch korrekten Anordnung der Buchstaben schenkte er wenig Bedeutung. Wie aus den Aufschriften zu schliessen ist, wurden die Dienste dieses Malers fast ausschliesslich von Frauen in Anspruch genommen.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der Löwen mit den Blumenschwänzen: Truhe mit den Initialen «D.R.CT.», 1763, Zwei Köpfe aus denen Pflanzen herauswachsen, Privatbesitz Bazenheid

Schon im 17. Jahrhundert treten die ersten bekannten Bemalungen auf Ostschweizer Bauernmöbeln auf. Sie wurden mit Schablonen aufgetragen und sind von städtischen Intarsien abgeleitet. 
Nach 1730 treten im oberen Toggenburg die ersten nachweisbaren Möbelmalereien auf, anfangs meinst auf Truhen. Kästen wurden noch selten begehrt. In der ersten Zeit lassen sich noch nicht eindeutig einzelne Malerpersönlichkeiten unterscheiden. Am Anfang stehen Möbel mit pflanzlichem Dekor (Blumen, Früchte, Rankenwerk), zu welchem sich Tierdarstellungen, hauptsächlich Vögel, gesellen. Menschen kommen gelegentlich ebenfalls  hinzu.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der schönen Köpfe: Himmelbett für Johannes Abderhalden und Rosina Looser (Detail), 1767, Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

Datierte Arbeiten des Malers der schönen Köpfe sind von 1760 bis 1777 bekannt. Vor 1767 war er im Appenzellerland tätig, nachher im oberen Toggenburg, was aus den Namen der Auftraggeber hervorgeht. Seine menschlichen Figuren fallen durch ihre charakteristischen Gesichtsformen auf. Als «schöne Köpfe» gehen sie auf die Engelköpfe zurück und werden zu damit Idealportraits der Auftraggeber.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Pfingstrosenmaler: Hausorgel, 1769, Historisches Museum Uri, Altdorf

Datierte Arbeiten des Pfingstrosenmalers sind von 1766 bis 1785 nachweisbar. Er war im Raum Ebnat-Kappel tätig. In der Darstellung menschlicher Figuren vollzog sich bei ihm eine auffallende Wandlung von höchster Vereinfachung am Anfang zu ausgesprochener Naturnähe am Ende seiner Schaffenszeit. Durch das unverkennbare Merkmal, die sich wuchernd ausbreitende Pfingstrose, ist spätestens von 1769 an kein Zweifel mehr möglich, dass der gleiche Maler am Werk ist. 
Für den Orgelbauer Wendelin Looser (1720 – 1790) bemalte er zahlreiche Instrumente und anschliessend auch für dessen Sohn Joseph Looser (1749 – 1822), für den nach 1785 der Maler der Pärchenszenen tätig war.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Eichhörnchenmaler: Füllung eines Möbels, um 1785, Privatbesitz St.Gallen

Datierte Arbeiten des Eichhörnchenmalers sind von 1786 bis 1814 bekannt. Er war im Raum Wildhaus tätig. Die Eichhörnchen, mit denen er seine Bäume gern belebte, sind bezeichnend für das neckisch Fröhliche, das aus seinen Bildern spricht. Religiöse Motive sind bei diesem Maler kaum zu finden, fromme Sinnsprüche überhaupt nicht. Er hat am deutlichsten unmittelbare Erfahrungen mit dem täglichen Leben in seine Bilder einbezogen. Eigenwillig geformte Rocaillen auf blauem Grund beherrschen die Ornamentik seines gesamten Schaffens. 

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der Bauernmusikanten: Malerei auf Holzfüllungen (Detail), Ende des 18. Jahrhunderts, Historisches und Völkerkundemuseum, St.Gallen

Zahlreiche bemalte Holztafeln, die eine eindrucksvolle Vorstellung von einer ausgemalten bäuerlichen Stube vermitteln, kaufte das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen aus den U.S.A. zurück. Dem Meister, der diese Stube ausmalte, können auch verschiedene Kästen zugeschrieben werden, die aus dem Appenzeller Vorderland stammen. Zwei davon befinden sich im Museum Heiden.
Die drei Hauptfiguren, ein stehender Violinist, ein sitzender Bassgeiger und eine sitzende Halszitherspielerin sind annähernd lebensgross dargestellt. Dazu kommt in kleinerem Massstab ein Knäblein, das die Flöte bläst. Ein präziser Eindruck des musikalischen Lebens im Dorf wird veranschaulicht. Musik nimmt eine wesentliche Stellung im Bereich der bäuerlichen Kultur ein.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der Pärchenszenen: Himmelbett für Johann Jacob Bösch und Verena Nüssler, 1798

Der sogenannte Maler der Pärchenszenzen war im Raum Ebnat-Kappel tätig. Datierte Arbeiten dieses Malers sind von 1785 bis 1828 bekannt. Darstellungen von Paaren waren im 19. Jahrhundert beliebt, kein andere Maler dieses Genres hat jedoch Paare in so verschiedenartigen Situationen gezeigt. Auf Jahreszeitenkästen werden sie für Szenen verwendet, die das bäuerliche Leben im Jahresverlauf veranschaulichen. Im Nachbilden von Vorlagen, die er verschiedentlich abwandelte, gewann er beträchtliches Geschick. Auch Blumen gab er genau wieder. Neben Rosen und Nelken sind oft Anemonen zu erkennen. Er ist der produktivste und der am meisten von Vorlagen abhängige Maler dieser Gattung. Die zahlreichen Vorbilder für Pärchenszenen, die er besessen haben muss, konnten noch nicht ausfindig gemacht werden. Für den Orgelbauer Joseph Looser bemalte er zwischen 1788 und 1817 zahlreiche Instrumente.

Quelle: Rudolf Hanhart

Der Maler der Jagden: Pferdeschlitten mit Metallbeschlägen, 1809 (Detail), Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

Tätig war der Maler der Jagden, dessen datierte Arbeiten von 1795 bis 1830 belegt sind, im oberen Toggenburg. Oft verwendete er die gleichen Motive wie der Maler der Pärchenszenen, besass aber nicht die gleiche Geschicklichkeit im Nachahmen von Vorlagen. Den im Barock verwurzelten Hang zu respräsentieren vermied er zu Gunsten häuslicher Intimität. Die Jagd ist bei ihm nicht mehr Sache von Berittenen, seiner Vorliebe gilt vielmehr der Hasenjagd.

Quelle: Rudolf Hanhart

Impressionen