Wonder Lust beginnt mit einem vertrauten Bild: einer Figur, die in die Ferne blickt. Doch Atiéna R. Kilfa unterläuft diese romantische Konstellation, indem sie Landschaft als Kulisse, Blick als Konstruktion und Erhabenheit als ästhetischen Effekt lesbar macht. Ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz ist damit ebenso sinnlich wie analytisch.
Im Zentrum steht die neue Videoarbeit Landfall, die der Wand der KMSG Lokremise folgt und die besondere Architektur des Ringbaus in die Dramaturgie einbezieht. Zunächst scheint das Motiv vertraut: Eine Rückenfigur betrachtet eine weite Landschaft im Licht von Sonnenauf- oder -untergang. Doch der Eindruck des Erhabenen kippt, sobald deutlich wird, dass die vermeintliche Naturansicht nur ein Modell ist, eine Maquette, ein Arrangement. Kilfa legt damit offen, wie sehr Sehen von Inszenierung und kultureller Vorprägung abhängt. Zwei weitere Arbeiten schärfen diesen Befund. Landfall at Sunrise isoliert als grossformatiger Filmstill die Spiegelung der Landschaft im Auge der Figur und macht den Akt des Betrachtens selbst zum Thema. Die Windmaschine - ein Foley-Instrument aus Oper und Film - erinnert schliesslich daran, wie leicht Atmosphären technisch erzeugt werden. Wonder Lust ist damit nicht nur eine Ausstellung über Bilder, sondern über die Mechanismen ihres Überzeugungsvermögens.
Atiéna R. Kilfa
Atiéna R. Kilfa schloss ihr Studium an der Städelschule in Frankfurt 2022 ab und wurde 2024 mit demars viva Preis ausgezeichnet. Kilfa beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit filmischen Archetypen und der komplizierten Konstruktion von Bildern im Film – ein Apparat, den sie zu enträtseln sucht. Durch den Einsatz von Video, Fotografie, Skulptur und Installation reflektiert ihr Werk verschiedene Traditionen und Techniken der Produktion und Postproduktion. Es lädt uns ein, darüber nachzudenken, wie Bilder Zeugnis von Zeit und Ideologien ablegen, deren Geschichte wir weiterhin bewohnen. Ihre Arbeiten wurden in Gruppenausstellungen unter anderem in Galerina, London, UK (2025); Museion, Bozen (2024); Neue Alte Brücke, Frankfurt (2024); Heidi, Berlin (2024); Den Frie, Kopenhagen (2023); 032c, Berlin (2023); Expo Chicago, Chicago (2022); Yaby, Madrid (2021); Elvira, Frankfurt (2021); und Galleria Zero, Mailand (2021) gezeigt. Soloausstellungen waren bei Den Frie, Kopenhagen (2024); Camden Art Centre, London (2023); Cabinet, London, UK (2023); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2022); Liste Art Fair, Basel (2021); und Cell Project Space, London (2020) zu sehen.