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Diogo GrafPoetik der Abstraktion
Poetik der Abstraktion zeigt Diogo Graf als Maler der leisen Abweichung. Im Zentrum stehen Arbeiten aus den 1950er- und 1960er-Jahren, in denen er geometrische Strenge mit malerischer Freiheit verbindet und der Farbe eine ungewöhnlich poetische Rolle zuschreibt. Damit erscheint Graf nicht als Randfigur, sondern als eigenständige Stimme der Schweizer Moderne.
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Die Ausstellung konzentriert sich auf zwei Werkphasen, in denen Grafs Eigenständigkeit besonders klar hervortritt. In den 1950er-Jahren entwickelt er eine lyrische Geometrie: Formen bleiben konstruiert, doch sie wirken handgesetzt, atmend, von kleinen Unregelmässigkeiten belebt. Farbe dient ihm gerade nicht als System, sondern als Atmosphäre - hierin entfernt er sich spürbar von der Zürcher Konkretion eines Max Bill oder Richard Paul Lohse. In den 1960er-Jahren öffnet sich die Malerei weiter. Gestische Setzungen, pastose Schichten und transparente Lasuren treten neben die konstruktive Ordnung, ohne sie ganz aufzulösen. Graf hält beide Pole zusammen und gewinnt daraus jene leise Spannung, die seine Bilder bis heute so eigentümlich macht. Die Schau zeigt ihn deshalb nicht als regionales Sonderphänomen, sondern als präzisen, überraschend modernen Beitrag zur Schweizer Nachkriegsabstraktion.
Impressionen
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Ausstellungsansicht: Diogo Graf, Poetik der Abstraktion, 2025, Kunstmuseum St.Gallen, Foto: Stefan Rohner
Der Künstler
Diogo Graf
Diogo Graf wurde 1896 in Fortaleza, Brasilien, geboren und kehrte als Kind mit seiner Familie in die Schweiz zurück. Nach der Ausbildung am Lehrerseminar in Rorschach war er über vier Jahrzehnte als Lehrer in der Ostschweiz tätig: Dort prägte er mehrere Generationen von sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Kunstschaffenden, zugleich verfolgte er konsequent eine eigenständige malerische Recherche. Lange Zeit wurde Graf vor allem als Kunsterzieher wahrgenommen – eine Rolle, die sein künstlerisches Schaffen vielfach überlagerte. Seine künstlerische Laufbahn führte ihn 1930er-Jahren zunehmend zur Abstraktion. Als Mitglied der Allianz, der bedeutendsten Gruppe der Konkreten Kunst in der Schweiz, stellte unter anderem in Paris, New York, Zürich und St.Gallen aus. Erst heute beginnt sich eine differenzierte Rezeption seines Werks zu etablieren und der Künstler Graf wird zunehmend in seiner kunsthistorischen Bedeutung neu gelesen.