Diese Sammlungsausstellung nimmt die Leere nicht als Mangel, sondern als produktive Kraft ernst. Ausgehend von Steven Parrinos Void Vortex entfaltet sich ein Parcours, in dem Öffnungen, Aussparungen und beinahe leere Formen zu Trägern von Spannung, Erinnerung und Imagination werden. Die Werke zeigen, dass Abwesenheit in der Kunst oft besonders beredt ist.
Steven Parrinos Void Vortex bildet den Auftakt und den theoretischen Fluchtpunkt der Schau zugleich: Eine kreisrunde Öffnung inmitten des Bildträgers macht Leere selbst zum Ereignis. Von dort aus spannt die Ausstellung einen Bogen zu Werken, die mit Auslassung, Spur und Unterbrechung arbeiten. Roman Signers Sessel mit Loch, Dieter Roths Selbstbildnis als Schwalbe oder H. R. Frickers Ortstafel Ort der Illusion verschieben den Blick vom Gegenstand auf das, was fehlt oder entzogen bleibt. Andere Arbeiten operieren subtiler. Wolfgang Laibs Milchstein erscheint als opake, beinahe unberührbare Oberfläche; Karin Sanders Gebrauchsbilder fassen zufällige Verschmutzungen als minimalistischen Bildträger; Mona Hatoums Turbulence lässt Spiegelung und Verunsicherung ineinander kippen. Im Korridor verdichtet sich das Thema nochmals, wenn Mäddel Fuchs’ Gipfelschnee auf Werke von Johanna Niessen-Grosser und Ferdinand Hodler trifft, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Leere erscheint hier als Schwelle, als Nachbild, als Raum des Denkens - niemals bloss als Defizit.