Vorwärts in die Vergangenheit öffnet den Blick auf die Biografien der Kunstwerke. Die Ausstellung macht sichtbar, durch welche Hände, Häuser und historischen Umstände Werke ins Museum gelangten, und zeigt Provenienzforschung als ebenso präzise wie erzählerische Praxis. Hinter jedem Objekt erscheint eine Geschichte, die seinen heutigen Ort mitprägt.
Die Schau macht deutlich, dass Provenienzforschung weit über das Sammeln von Daten hinausreicht. Sie rekonstruiert Besitzverhältnisse, Übergänge, begangenes Unrecht, Brüche und Leerstellen, aber auch Resolutionen - also jene Wege, auf denen Kunstwerke zu dem wurden, was sie heute im Museum bedeuten. Manche Objekte lassen sich relativ geschlossen erzählen, andere bleiben von Lücken, Zufällen oder offenen Fragen durchzogen. Gerade diese Unterschiede verleihen der Ausstellung ihre narrative Spannung. Ein Gemälde oder eine Skulptur erscheint hier nicht nur als ästhetisches Objekt, sondern zugleich als Zeugin sozialer, wirtschaftlicher und politischer Konstellationen. Auf diese Weise verändert sich auch der Blick der Besuchenden: Man sieht nicht nur das Werk, sondern dessen Herkunft, Umlaufbahn und institutionellen Kontext mit. Vorwärts in die Vergangenheit rückt ein Arbeitsfeld ins Zentrum, das für Museen heute unverzichtbar ist. Provenienz wird hier als Teil der Werkgeschichte sichtbar - und damit als Teil musealer Verantwortung.