Konzept
John M Armleder (*1948), Untitled, 2004, Schwarze Holzregale, acht Aluminiumrahmen mit transparenten, farbigen Acrylgläsern, Neonlampen, künstliche und echte Blumen, Videos, Spiegel, leuchtende und dekorative Objeke, 400 x 760 x 150 cm, Kunstmuseum St.Gallen, Schenkung John M Armleder und Susanna Kulli 2024
Die Sammlung des Kunstmuseums St.Gallen ist seit dem 19. Jahrhundert aus bürgerlichem Engagement, Schenkungen und gezielten Erwerbungen gewachsen. Sie reicht von frühen europäischen Beständen und der Malerei des 19. Jahrhunderts über zentrale Positionen der Moderne bis zur internationalen Gegenwartskunst.
Ihr Profil entsteht aus einer doppelten Ausrichtung: Die Sammlung versteht sich als visuelles Gedächtnis der Ostschweiz und pflegt wichtige regionale Werkgruppen. Zugleich setzt sie internationale Akzente in Malerei, Skulptur, Installation, Konzeptkunst, Video und neuen Medien. Starke Einzelwerke, konzentrierte Werkgruppen und die Verbindung von regionaler Verankerung, kunsthistorischer Tiefe und zeitgenössischer Bedeutung prägen ihren Charakter.
Die aktuelle Sammlungsstrategie setzt auf präzise Erwerbungen von hoher künstlerischer, kunsthistorischer und musealer Relevanz. Entscheidend ist, dass ein Werk für sich überzeugt und darüber hinaus im Dialog mit dem Bestand neue Lesarten eröffnet. Neuzugänge sollen die Sammlung vertiefen, erweitern und in Ausstellungen immer wieder aktiviert werden können.
Besonderes Augenmerk gilt herausragenden Positionen, die zentrale Entwicklungen der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts neu sichtbar machen oder Themen wie Identität, Ökologie, Technologie und Dekolonisierung ansprechen. Ziel ist es, unterrepräsentierte, historisch und strukturell marginalisierte Positionen aus unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten in die Sammlung aufzunehmen. Auf diese Weise soll deren bislang vornehmlich weisse, cis-männliche und heteronormative Perspektivierung aufgebrochen werden.
Als wichtigstes Kunstmuseum der Ostschweiz trägt das Kunstmuseum St.Gallen eine besondere Verantwortung für Kunstschaffende aus der Region. Gesammelt werden regionale Positionen, wenn sie über ihren lokalen Kontext hinaus künstlerische Relevanz besitzen und grössere kunsthistorische oder gesellschaftliche Zusammenhänge eröffnen.
Erwerbungen werden sorgfältig auf Provenienz, konservatorische Verantwortung und langfristige Vermittelbarkeit geprüft. Neben Ankäufen spielen Schenkungen, gemeinsame Erwerbungen mit anderen Institutionen und ausgewählte Nachlässe eine wichtige Rolle. Dauerleihgaben werden nur angenommen, wenn sie das Profil der Sammlung nachhaltig stärken und mit einer Perspektive auf Schenkung verbunden sind.
Ziel ist eine Sammlung, die an Komplexität, Vielstimmigkeit und Profil gewinnt: historisch fundiert, regional verankert, international anschlussfähig und offen für die Fragen der Gegenwart.