Blicke aus der Zeit

Sammlungs-Perspektiven

Verschoben auf 2021, Kunstmuseum

 

Der schmerzgetrübte Blick der Lucretia (um 1530) von Cornelis Bazelaere, was kann er uns heute noch sagen? Wenn sich Ferdinand Hodler 1917 – im Jahr vor seinem Tod – selbst im Spiegel fixiert, so schaut er uns heute prüfend an. Auch in den neuen Medien bleiben Blicke zentral: In fotografischen Selbstinszenierungen paraphrasieren Manon und Urs Lüthi gesellschaftliche Rollenbilder und nehmen zugleich die klassische Tradition der Reflexion im Selbstbildnis auf. Die Videos von Keith Sonnier, Pipilotti Rist und Candice Breitz analysieren das zeitgenössische Körpergefühl und die Stellung des Individuums in der modernen Gesellschaft.

Blicke überbrücken Zeiten, was in unserer Epoche überbordender Bildkommunikation augenfällig wird. Aus der Vergangenheit kommend, vermögen sie Gegenwarten zu schaffen. Sie kommunizieren innerhalb des Kunstwerks, bestimmen Richtungen, stellen Beziehungen her und konstruieren damit Räume nach innen wie nach aussen. Sie konfrontieren uns mit Geschichten oder sie richten sich direkt auf uns Heutige.

Die Ausstellung Blicke aus der Zeit bringt Werke aus der Sammlung in neue Konstellationen, lässt Augen schweifen und Blicke sich treffen – aus den Bildern heraus und in die Bilder hinein: von der Ikone des Christus Pantokrator über Federico Baroccis frühchristlichen Märtyrer bis zu Auguste Renoirs impressionistisch gemaltem Kleinkind und den Bildnissen der zeitgenössischen Fotografie und Videokunst.

Kuratoren: Lorenzo Benedetti und Matthias Wohlgemuth